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Neukirchen-Vluyn
Neujahrsempfang des Erziehungsvereins Neukirchen

Neukirchen-Vluyn. Zum Beginn des Kirchenjahres die Frage: "Hat die Kirche die Sonntagsruhe verschlafen?" Von Ulrike Rauhut

"Ein frohes neues Jahr!", so begrüßte ein Gast Direktor Hans-Wilhelm Fricke-Hein folgerichtig. Obwohl dieser Gruß -auch in Kirchenkreisen- nicht üblich ist, so gibt er doch treffend ein wichtiges Anliegen dieser Veranstaltung wieder: Nämlich an die ursprüngliche Bedeutung des ersten Advents als Beginn des Kirchenjahrs zu erinnern, als Vorbereitungszeit auf die Ankunft Jesu Christi, die ursprünglich keine Zeit der hektischen Weihnachtseinkäufe, sondern eine Buß- und Fastenzeit war.

Um eine Neubesinnung auf die Qualität der Zeit ging es auch im Vortrag von Professor Uwe Becker. Der Theologe und Sozialexperte hat seit diesem Jahr eine Professur für Diakoniewissenschaft an der Evangelischen Fachhochschule Bochum, nachdem er elf Jahre lang das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe geleitet hat. In zehn Thesen entfaltete er seine Gedanken rund um die (Be)Deutung des Sonntags als Ruhe- und Feiertag. Der Ursprung des siebenten Tags als Ruhetag sei der Sabbat, der von Gott geschenkt und gesegnet sei. Die christliche Kirche habe in der Vergangenheit in bewusster Abgrenzung zum Judentum unter der Heiligung des Sabbats bzw. Sonntags in erster Linie die Feier des Gottesdienstes verstanden. Es gelte aber, sich an die ursprüngliche Sabbattheologie zu erinnern, die auch den Wert und die Würde der Arbeitszeit einschließe. Sie richtet sich somit gegen eine Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft, gegen das ökonomische Diktat des "Immer mehr" und den damit verbundenen katastrophalen Folgen für unsere Welt. Der Kirche komme, so Becker, die Aufgabe zu, neue Angebote für eine sinnstiftende Sonntagsgestaltung zu machen, die sich nicht auf die Verkündigung im Gottesdienst beschränke, sondern sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiere. Auch in den Diskurs über den Wert von Arbeit und Lebenszeit, beispielsweise beim Thema "Pflegezeit" oder "Zeiten der Familie" solle sich Kirche und Diakonie einmischen.

"Wir sind zur Ruhe berufen", so nahm Fricke-Hein den Impuls auf und wünschte eine gesegnete Adventszeit. Sein Dank für das vergangene Jahr ging an alle Mitarbeitenden des Erziehungsvereins sowie an Vorstand, Aufsichtsrat und Mitarbeitervertretung. Präses Siegmund Ehrmann, der stellvertretende Landrat Josef Devers sowie Bürgermeister Harald Lenßen, bekräftigten diesen Dank in ihren Grußworten. Die Mitarbeiter seien es, die die Leitlinien des EV Tag für Tag umsetzten, indem sie den Schwächsten der Gesellschaft, den Kindern, Jugendlichen, alten Menschen und Menschen mit Behinderung mit Wertschätzung begegneten.

Quelle: RP
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