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Neukirchen-Vluyn

Neukirchen-Vluyn. John Kuma und Johnson Yeboah aus Ghana sind zurzeit dabei, den Speisesaal des CJD-Geländes in Neukirchen-Vluyn zu erneuern. Beide machen eine Ausbildung bei der Firma Marschmann. Am Samstag soll der Saal eingeweiht werden. Von Stefan Gilsbach

Das Thema Flüchtlinge wird in diesen Tagen wieder viel diskutiert und oft in düsteren Farben gemalt. Währendessen geht in den Kommunen die Integration der Menschen, die zu uns gekommen sind, weiter. Wie erfolgreich dies sein kann, machen derzeit die beiden Ghanaer John Kuma und Johnson Yeboah vor, die bei der Firma Marschmann eine Ausbildung absolvieren.

Sie sind in diesen Tagen dabei, den alten Speisesaal auf dem Gelände des CJD an der Wiesfurthstraße zu erneuern. Dabei bekommen sie nun Unterstützung durch einen Flüchtling, der in Syrien bereits als Maler gearbeitet hat. Am Samstag soll der Speisesaal bei einem Nachbarschaftsfest an die Diakonie für Flüchtlingsarbeit übergeben werden. Kurz gesagt: Hier arbeiten Flüchtlinge für Flüchtlinge.

Bei der Veranstaltung spielt auch die Band "Heimatlos", die von Flüchtlingen gegründet wurde. Federführend bei der Veranstaltung sind die Stadt Neukirchen-Vluyn und der örtliche Sponsorenkreis.

Helfen ist eine wunderbare Sache, sie kann aber zuzeiten mühselig sein. Diese Erfahrung hat Heike Marschmann in den vergangenen Monaten gemacht. Ihr Unternehmen hat zwei junge Männer aus Ghana, John Kuma und Johnson Yeboah, als Auszubildende eingestellt. An den beiden liegt es wahrhaftig nicht, dass Heike Marschmann manchmal seufzt, sondern an dem, was an Bürokratie und sonstigen Aufgaben noch daran hängt. "Ich will nicht jammern", meint sie. "Aber es ist grenzwertig."

Kreishandwerksmeister Günter Bode räumte ein, dass manche Arbeitgeber ein Engagement schauen, weil sie mit so vielen zuständigen Behörden zu tun haben: Agentur für Arbeit, Integrationspoint, Ausländerbehörde. . . "Außerdem gibt es im Augenblick durch die aktuellen Ereignisse eine gewisse Zurückhaltung", sagt Bode. Was fehle, sei die Instanz eines "Kümmerers", der den ganzen Wust an zusätzlichen Aufgaben übernehme. "Es ist ein Mordsaufwand", sagt Günter Bode. "Und in Baden-Württemberg gibt es solche ,Kümmerer' schon." Trotz solcher Defizite in Nordrhein-Westfalen ist das, was in den vergangenen Monaten in der Grafschaft bei der Integration von Flüchtlingen erreicht wurde, sehr beeindruckend. "Es gibt mittlerweile ein Netzwerk für eine solche Ausbildung", sagt Kreisinnungsmeister Günter Bode. "Die SCI ist inzwischen mit im Boot." Dort hatten die beiden Ghanaer mit Erfolg an dem Projekt "Integration durch Arbeit, Ausbildung und Sprache" teilgenommen.

Rainer Tyrakoswki-Freese, Geschäftsführer der Diakonie, war gestern ebenfalls zum Pressetermin in den CJD-Speisesaal gekommen. Er freut sich, dass es gemeinsam mit der Stadt Neukirchen-Vluyn nun gelungen ist, den Saal für Flüchtlingsarbeit nutzen zu können. Geplant ist, den Speisesaal multifunktional auszustatten, so dass er nicht nur für Sprachkurse und ähnliches geeignet ist, sondern nach einem raschen Umräumen auch für Turnangebote genutzt werden kann.

Selbst wenn die Aussichten auf einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland nicht gut sind, sei es besser, den Flüchtlingen eine sinnvolle Beschäftigung anzuvertrauen, die ihnen auch später noch nützlich sein kann - darin waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig.

Diakonie-Chef Rainer Tyrakowski-Freese meint dazu: "Wir sollten bei den jungen Menschen nicht lange warten, denn nichts ist schlimmer für sie, als hier ein Jahr lang ohne Perspektive herumzuhängen."

Quelle: RP
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