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Neukirchen-Vluyn

Neukirchen-Vluyn. Bei einer "Radtour für Gartenfreunde" haben am Dienstag 22 Gärtner und Interessierte einen Streifzug durch die drei Anlagen des Kleingartenvereins "Unsere Scholle" unternommen. Das Stadtmarketing veranstaltet in jedem Jahr Radtouren, die Kleingärten waren zum ersten Mal dabei. Organisator Frank Grusen sagte: "Wir wollten Ecken in der Stadt zeigen, die man sonst so nicht sieht." Von Anna Lena Lipka

In der Tat war nicht allen Teilnehmern klar, dass die Kleingartenanlagen öffentlich zugänglich sind und man auch ohne Führung des Vereinsvorstands mit den Gärtnern ins Gespräch kommen kann - obwohl das sicherlich hilft: Viele Kleingärtner erwarteten die Besucher, luden sie in ihre Gärten ein und erzählten ihnen vom Sommerschnitt, Winterendivien und Buchsbaumzünslern. Die überzähligen Äste im Sommer zu stutzen sorge dafür, dass nicht so schnell Pilze auf der Schnittfläche wachsen. Winterendivien könne man pflanzen, wenn man seine Kartoffeln geerntet hat. Und gegen den Buchsbaumzünsler helfe nur, die Pflanze abzuschneiden, erzählten verschiedene Kleingärtner. Spritzen sei keine Alternative, wenn Kinder die daneben wachsenden Himbeeren essen wollen.

"Ein Blumenkübel macht eigentlich mehr Arbeit als ein Kartoffelacker", darüber waren sich viele Gärtner und Gäste einig, und auf dem Weg zum nächsten Garten fachsimpelten sie in kleinen Grüppchen weiter. Obwohl nur etwa ein Drittel der Fläche als Nutzgarten bestellt werden muss, ist der Anteil in vielen Gärten deutlich höher, auch in dem von Dieter Niesalla, der die mit 1000 Quadratmetern größte Parzelle des Vereins gepachtet hat. Nach eigener Aussage arbeitet er von morgens bis abends in seinem Kleingarten, den er vom Vater übernommen hat. Der Vorsitzende des Vereins, der 73-jährige Jürgen Liebke, sagte, für 500 Quadratmeter reichten eineinhalb Stunden Arbeit täglich aus. Weil er aber selbst noch einen Garten hinterm Haus hat, hat er seine Parzelle an eine junge Familie mit zwei Kindern übergeben.

Nachwuchssorgen hat der Verein nicht, jeder frei werdende Garten kann schnell weiterverpachtet werden. Die Pacht pro Jahr und Quadratmeter beträgt 32 Cent, der Mitgliedsbeitrag 60 Euro im Jahr und zwölf Stunden Gemeinschaftsarbeit, zum Beispiel für die Pflege der Rasenflächen. Strom und Wasser müssen selbst bezahlt werden. Aber den Löwenanteil nimmt meist die Summe ein, die ein neuer Pächter dem alten für das zahlt, was der auf das Grundstück gebaut hat. Weil Kleingärtner gerne mal jahrzehntelang an ihrem Häuschen bauen, geht das schnell in die Tausende.

Der Verein hat drei Kleingartenanlagen, eine zwischen Hugengraben und Niederrheinallee, eine an der Siebertstraße und eine am Fürmannsheck, in denen es insgesamt 108 Parzellen von 320 bis 1000 Quadratmetern Größe gibt. Da die Anlagen recht nah beieinander liegen, fiel der Radfahranteil geringer aus als von einigen erwartet. Doch bei Adi Krauses Garten-Badezuber mit Warmwassergerät kam selbst ein Ingenieur auf seine Kosten, der wegen seiner Frau mitgekommen war.

Das Besondere am Verein "Unsere Scholle" ist, dass Kleintierhaltung erlaubt ist - wenn der Nachbar zustimmt. Außerdem sind die Parzellen relativ groß. Das liegt daran, dass sie seit der Vereinsgründung 1933 bis in die Siebziger hinein an Bergleute verpachtet wurden, die teilweise Wohnrecht hatten und sich mit selbstangebauten Lebensmitteln versorgten. Sandra Kiss vom Stadtmarketing fand Selbstanbau, regionale und Fairtrade-Produkte auch für junge Leute wieder interessant. Die jüngsten Pächter sind um die dreißig Jahre alt, und wenn in einem Garten wegen der Kinder Schaukeln und ein Trampolin statt Apfelbäumen und Kohl stehen, drückt der Verein auch ein Auge zu.

Trotzdem findet sich alles in den Anlagen, von alten Apfelsorten über die klassischen Nutzpflanzen Kartoffeln und Bohnen bis hin zu drei Meter hohen Sonnenblumen, Pflaumen und Kiwis. Sogar eine Bananenstaude gibt es im Garten des Kassierers Norbert Jauk: Er hatte sie als kleines Pflänzchen für einen Euro in der Gärtnerei gefunden. Mittlerweile ist das Gewächs locker zweieinhalb Meter hoch.

Die Veranstaltung endete mit einem Imbiss im Vereinsheim am Fürmannsheck, das die Mitglieder Stück für Stück auf- und ausgebaut haben. Die Teilnehmer haben trotz leichten Regens die Tour genossen und sich Anregungen und Tipps holen können. Denn "über Jahre lernt man", sagt Jürgen Liebke. Ein Teilnehmer erzählte, er habe normalerweise keine Zeit, sich die ganzen unterschiedlichen Gärten anzusehen, eine Frau fand es gut, auf diese Art mehr von Neukirchen-Vluyn kennenzulernen. Und alle fanden die selbst angebauten Tomaten lecker.

Auch Frank Grusen ist zufrieden. Man habe gewusst, dass entweder nur fünf Leute mitfahren wollten oder viele, sagte er. Und es sind viele geworden.

Quelle: RP
 
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