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Neukirchen-Vluyn
Posaunen erklingen während der Führung durchs Dorf Neukirchen

Neukirchen-Vluyn: Posaunen erklingen während der Führung durchs Dorf Neukirchen
Heide Schmitt und Peter Pechmann führten die Teilnehmer ins Neukirchener Mittelalter. Mit dabei die Bläser des Posaunenchors. FOTO: Klaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Heide Schmitt und Peter Pechmann nahmen 15 Menschen mit auf eine ganz besondere Stadtführung. Startpunkt war die frisch renovierte Dorfkirche. Von Ulrike Rauhut

Mit Laterne und wehendem Umhang gab Pechmann den Nachtwächter, obwohl, wie er erzählte, es in Neukirchen nie einen solchen gegeben habe und obwohl dieser Beruf genauso wenig angesehen gewesen sei wie der des Henkers. Doch die alten Geschichten aus dem einst bäuerlichen Dorf klingen einfach noch authentischer, wenn der Herr mit dem Rauschebart und der beeindruckenden Hellebarde sie erzählt. Die Dorfkneipe "Alt Derp" zum Beispiel, die gab es bereits im 17. Jahrhundert an dieser Stelle. Jedoch musste sie zwischenzeitlich geschlossen werden, weil der Pfarrer zu häufig bei Bier und Schnaps den Gottesdienst verpasste, was der Obrigkeit natürlich missfiel. Die Erzählung vom Fass hinter der Kneipe, in das die Männer hinein pinkelten und das von den Blaufärbern abgeholt wurde, weil sie den Urin als Gerbstoff verwendeten, gab einen lebhaften Eindruck vom mittelalterlichen Leben.

Neben den spannenden Anekdoten und historischen Berichten gab es an diesem Freitagabend ein Überraschungsprogramm: An fünf Stationen warteten Bläser des CVJM-Posaunenchors Neukirchen und spielten Weihnachtslieder. Eine Trompete und eine Posaune erwarteten die Besucher vor der Kirche mit "Wir sagen euch an den lieben Advent". An der Gartenstraße vor dem Gebäude der ersten Dorf-Apotheke hatten sich fünf Bläser aufgestellt, bis dann beim Abschluss im Hinterhof der ehemaligen Metzgerei Mevissen neun Personen ein stimmungsvolles "Kling Glöckchen" erklingen ließen.

Doch zuvor gab es noch viele spannende Dinge zu entdecken. So führten Heide Schmitt und Peter Pechmann die Besucher in die Hinterhöfe der ehemaligen Bäckerei und der ehemaligen Schmiede, um einen Eindruck vom vielfältigen Handwerk und der Tiefe der Grundstücke hinter den Hausfassaden zu vermitteln. An der Lindenstraße wurde auf das schöne Gebäude hingewiesen, das 1913 als erste Sparkasse mit Büroräumen errichtet wurde. Beim Haus des Heilpraktikers und Heimatdichters Heinrich Goldberg wurde leckerer Eierlikör ausgeschenkt, denn dem wurde schon damals eine wohltuende Wirkung nachgesagt. Ein weiteres Leckerchen gab es in der Metzgerei Mevissen: Ein Schweineöhrchen, allerdings in der Blätterteig-Version. Hier konnten die Besucher das alte Schlachthaus bestaunen, das von 1936 bis 1972 in Betrieb war.

Als letzte Metzgermeisterin einer langen Familienreihe von zehn Generationen zeigte Barbara Mevissen den Teilnehmern gerne die alten Geräte und erklärte ihre Verwendung in der Fleisch- und Wurstherstellung. Die 15 Teilnehmer waren zufrieden. Eine Dorfführung für alle Sinne und eine lohnende Entdeckungsreise, die Groß und Klein überzeugte - das fand auch das Ehepaar Hartschen mit den Enkelkindern Lars (9) und Finja (6).

Quelle: RP
 
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