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Neukirchen-Vluyn
Schlechteste Apfelernte seit 40 Jahren

Neukirchen-Vluyn: Schlechteste Apfelernte seit 40 Jahren
Friedhelm Heckes spürt in seinem Betrieb in Neukirchen-Vluyn die schlechte Apfelernte in diesem Jahr. FOTO: Julia Schüßler
Neukirchen-Vluyn. Der Spätfrost im April zerstörte die Apfelblüten am Niederrhein. Die Folge sind aktuell gestiegene Preise. Von Julia Schüßler

Der Apfelgarten Heckes ist stark bewacht: Drei Hunde bellen vermeintliche Strauchdiebe in die Flucht. Dabei gibt es in diesem Jahr gar nicht viel zu bewachen. Denn Bio-Apfelbauer Friedhelm Heckes hat die schlechteste Ernte seit 40 Jahren.

Den Familienbetrieb führt Friedhelm Heckes selbst, gemeinsam mit Frau und Tochter. "Zum Ende des Sommers helfen dann teilweise Saisonarbeiter beim Pflücken." Schwerpunktmäßig verkaufen sie Tafeläpfel und Apfelsaft. "Wir machen hier alles per Hand." Da er im Moment aber keine eigenen Äpfel zur Verfügung hat, presst er für andere.

"Dieses Jahr gibt es nichts. Wir haben bisher ungefähr 500 Kilogramm geerntet", klagt Friedhelm Heckes. Nichts im Vergleich zum Vorjahr: Denn eine normal Ernte bringe zwischen zehn und zwölf Tonnen. "Normalerweise sind wir erst Ende Dezember oder Anfang Januar ausverkauft." Auch seine Kunden gehen nun also leer aus.

Der Grund für die schlechte Ernte liegt in der frühen Blüte der Apfelbäume. "Im März gab es die erste Wärmephase, die alles zum Blühen brachte", sagt Klaus Heidlinger, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Fruchtsaftindustrie. Darauf folgte ein Spätfrost im April. "Der ist eigentlich nicht ungewöhnlich. Dadurch, dass aber alles so früh geblüht hat, ging die Blüte kaputt."

Besonders schlimm getroffen habe es die kleinen Bauern, da sie von dem eigenen Verkauf abhängig seien. "Sie können zwar mehr Geld verlangen, da sie aber generell sehr wenig haben, wird es schwierig", sagt Heidlinger.

Friedhelm Heckes hat das gleiche Problem: Die Bäume tragen keine Früchte, dafür aber jede Menge Triebe. "Die überschüssige Energie, die sonst für die Fruchtproduktion benötigt wird, lässt die Äste und Triebe massiv wachsen", sagt Heckes. Das koste wiederum zusätzliche Arbeit. "Der Winterschnitt wird extrem." Insgesamt benötigen die Bäume das ganze Jahr über Pflege. Schwierig sei es, dass der Familienbetrieb am Ende dafür aber nicht entlohnt werde.

So wie Heckes geht es vielen Apfelbauern landesweit. "Besonders betroffen ist Baden-Württemberg. Hier kommt die Hälfte des Streuobstes her", sagt Klaus Heidlinger. Das nutze man speziell für die Herstellung von Apfelsäften. Da die Äpfel im Vergleich zum letzten Jahr dreimal so teuer seien, erwarte den Verbraucher eine Preiserhöhung. "Wie hoch, ist noch nicht bekannt", sagt Heidlinger. Der in Moers ansässige Obstsaftproduzent Niederrhein Gold möchte sich diesbezüglich gegenüber der Presse nicht äußern.

Während Produzenten von "normalem" Apfelsaft auf Importe aus südlichen Ländern zurückgreifen, haben es Bio-Bauern schwieriger: "Spätestens im Mai wird es keinen deutschen Bio-Apfelsaft mehr geben", sagt Heckes. Er hat für den Notfall vorgesorgt: "Man muss sich immer ein paar Rücklagen schaffen, sonst überlebt man das nicht."

Quelle: RP
 
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