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Neukirchen-Vluyn
Schräge Erlebnisse des Feuerwehrmanns

Neukirchen-Vluyn: Schräge Erlebnisse des Feuerwehrmanns
Feuerwehrmann Jörg Nießen liest in der Vluyner Feuerwache aus seinen drei Büchern vor. FOTO: Stoffel
Neukirchen-Vluyn. Wahnwitzige, aber wahre Geschichten: Feuerwehrmann Jörg Nießen liest in der Vluyner Feuerwache aus seinem erfolgreichen Buch "Schauen Sie sich mal diese Sauerei an" und zwei weiteren Werken vor. Von Ulrike Rauhut

"Ich werde Feuerwehrmann", sagen viele Jungs im Kindergartenalter. Später werden sie dann Bauer oder Archäologe. Bei Jörg Nießen war es genau umgekehrt. Von seinen ursprünglichen Berufswünschen hatte er sich abgewandt und wurde nach dem Zivildienst Feuerwehrmann und Rettungsassistent. In Köln.

Der Erkelenzer hatte seine Berufung gefunden. Das war 1997. So hätte es bleiben können. Denn die Arbeit war abwechslungsreich und spannend. Bisweilen auch lustig und skurril. Im Jahr 2009 brach genau deshalb ein weiteres Talent, das in ihm geschlummert hatte, hervor. Er begann zu schreiben. "Aus einer Weinlaune heraus und weil meine Lebensgefährtin sich meine Geschichten nicht mehr anhören wollte", erzählt der heute 41-jährige.

Die ersten wahren Geschichten aus seinem Berufsalltag las er Freunden vor. Die waren begeistert und lachten sich kaputt. Was liegt da näher, als ein Manuskript an einen der großen Verlage der Unterhaltungsliteratur zu schicken? Doch dieser Versuch schlug fehl. Da traf es sich gut, dass er jemanden beim Berliner Verlag "Schwarzkopf und Schwarzkopf" kannte. So nahm die Erfolgsgeschichte ihren Anfang, die Nießen selbst immer noch nicht recht glauben kann. Er reist seitdem mit seinen Lesungen aus insgesamt drei Bestsellern durchs Land. Am Freitagabend war er zu Gast im Gerätehaus der Feuerwehr Neukirchen-Vluyn. Präsentiert vom Förderverein der freiwilligen Feuerwehr und vom Förderverein der Stadtbücherei las er Kostproben aus seinen Büchern vor. Etwa 80 Zuhörer fanden auf den Bierbänken Platz und lauschten den teilweise haarsträubenden Geschichten in stilechter Kulisse.

Wir lernen Jupp kennen, der sich in einer traditionellen Kölner Eck-Kneipe, einem "Biotop für Biertrinker", volllaufen lässt. Nachdem er ein Saufspiel gegen sich selbst verloren hat, kippt er mit dem Barhocker hintenüber und zieht sich eine böse Kopfverletzung zu. Tropfrate 120 pro Minute. Das bedeutet, zwei Tropfen Blut pro Sekunde. Als Jörg Nießen und sein Kollege am Einsatzort eintreffen, sitzt Jupp schon wieder auf seinem Hocker, hebt sein Glas und lallt: "Reparaturbier". Er ist so blau, dass er gar nichts mitkriegt und sich weigert, in den Rettungswagen zu steigen. Die Polizei muss gerufen werden, es entwickeln sich tumultartige Szenen. Schließlich wird der Verunfallte doch mit sanfter Gewalt ins Krankenhaus verfrachtet, seine Wunde mit 19 Stichen genäht. Anschließend will er sofort wieder in die Kneipe. Er darf auf eigene Verantwortung das Krankenhaus verlassen, wenn er die "Gehprobe" besteht. Doch davon kann keine Rede sein. Statt geradeaus zu gehen, fällt er wie ein gefällter Baum auf die Nase. Die patente Ärztin folgert trocken: "Der Herr hat sich entschieden zu bleiben."

Es macht Spaß, Nießen zuzuhören. Den wahren Begebenheiten hat er natürlich einige würzende Details hinzugefügt und sie zum Schutz der Personen verfremdet. Seine Beschreibungen sind üppig, seine Sprache bildhaft und voller Witz und Ironie. Der Humor hilft natürlich auch, die tragischen Aspekte des Berufes zu verarbeiten. Nießen teilt auch Nachdenkliches mit, zum Beispiel über das Sterben. Ganz nebenbei bekommt man einen authentischen Eindruck seiner wichtigen Arbeit. Wird er zukünftig noch mehr schreiben? Nießen: "Vielleicht wage ich mich ja an einen Roman."

Quelle: RP
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