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Naturgarten-Verfechterin Sacha Sohn
"Viele denken, Naturgärtner tun nichts"

Naturgarten-Verfechterin Sacha Sohn: "Viele denken, Naturgärtner tun nichts"
Sacha Sohn vom Hilshof in Kerken-Winternam. FOTO: Archiv
Neukirchen-Vluyn/Kerken. Eine Gruppe von Naturgärtnern im linken Niederrheingebiet trifft sich in Neukirchen-Vluyn, um den Gedanken naturnaher Gärten mit heimischen Arten zu pflegen. Damit wollen die Naturfreunde nicht zuletzt zum Artenschutz beitragen.

Das Ideal des Naturgartens möchte eine Gruppe von Naturfreunden wiederbeleben, und dies überregional. Die RP sprach mit einer der Initiatorinnen, Sacha Sohn aus Kerken.

Die Idee ist, eine Regio-Gruppe zu gründen. Was steckt dahinter?

Sacha Sohn Aktuell läuft die Kennenlernphase. Wir sind alles Naturgärtner und Naturgarteninteressierte aus Wachtendonk, Straelen, Kerken, Moers, Rheurdt und Xanten. Das ist das Einzugsgebiet. Wir treffen uns immer in anderen Gärten und sehen uns darin um.

"Naturgarten" - was heißt das?

Sohn Der Naturgarten besteht vornehmlich aus heimischen Pflanzen. Die Idee dahinter ist der Naturschutz: unsere hiesige Flora und Fauna zu erhalten. Die Sache ist die, dass die heimische Tierwelt mit importierten Pflanzen einfach nichts anfangen kann. Zum Vergleich: Die deutsche Eiche beherbergt bis zu 1000 Insekten- und Schmetterlingsarten, während auf der Platane, die erst im 18. Jahrhundert als "Neubürger" zu uns kam, nur ein Dutzend verschiedener Tiere leben. Ähnlich ist es mit vielen Staudenarten und Balkonpflanzen. Leider haben viele Gartenbesitzer kein Wissen mehr um die heimischen Stauden wie Leimkraut, Flockenblume, Kronwicke und Natternkopf.

Was sind die Vorteile?

Sohn Der Naturgarten trägt das ganze Jahr über viele Früchte, Blüten und hat eine große Pflanzendiversität. Schön ist es, wenn es unterschiedliche Bereiche gibt, etwa einen Teich und einen trockeneren Bereich. Wie ein Garten angelegt und aufgeteilt wird, hängt natürlich auch von der Größe ab.

Gibt es Vorurteile gegen diese Art der Gartennutzung?

Sohn Viele denken, ein Naturgärtner hat im Jahr nichts getan im Garten, nur weil es auf den ersten Blick nicht besonders ordentlich aussieht. Einige verstehen nicht, warum die Brennnesseln und verblühte Stauden stehen gelassen werden, statt sie auszurupfen, oder in der Ecke ein Asthaufen liegt oder man in Pflasterritzen Habichtskraut und Pfirsichblättrige Glockenblume wachsen lässt.

Warum ist das im Naturgarten so?

Sohn Der Asthaufen ist ein Igelhaus und beherbergt viele Nützlinge, die ungeliebten Brennnesseln sind ganz wichtig für viele Insekten, zum Beispiel Schmetterlingsraupen. In hohlen Stengeln überwintern Wildbienen, die Samen verblühter Blumen sind bei Vögeln als Futter sehr beliebt. Die enthalten nämlich andere Wirkstoffe als die dick machenden Sonnenblumenkerne. Ein ganz aufgeräumter Garten ist gar nicht gut.

Wie lässt sich ein Reihenhausgarten in einen Naturgarten verwandeln?

Sohn Nicht nur reiner Rasen; schöner wäre es, wenn auch Wiesenpflanzen und Kräuter wachsen und der Klee auch mal stehenbleibt und blühen kann für die Bienen und Hummeln. Einige Versteckmöglichkeiten sollte ein Garten schon haben. Was ordentlich ist, ist per se kein Garten für Tiere. Als Initialzündung hilft auch eine Tüte mit Wildblumen. Eines unserer nächsten Projekte ist eine Pflanzenbörse im Herbst mit Samen und Stecklingen.

Muss auf alle fremdländischen Pflanzen verzichtet werden?

Sohn Ein Garten soll allen Freude machen, auch dem Besitzer. Das heißt also nicht, dass ich als Naturgartenplanerin alles rausschmeißen würde. Ich kann neben dem mediterranen Gewächs zum Ausgleich die Wilde Möhre stehenlassen. Mein Motto ist: Jede Blüte zählt.

Wie kann man mitmachen?

Sohn Unser nächstes Treffen ist am Sonntag, 23. August, 10 bis 13 Uhr im Kräuterreich Marion Mohanty, Gülixweg 53, in Neukirchen-Vluyn.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA

Quelle: RP
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