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Neukirchen-Vluyn
Vluyner protestieren gegen Bücherei-Aus

Neukirchen-Vluyn: Vluyner protestieren gegen Bücherei-Aus
Bei der Demo am Vluyner Platz: Lars Wiersma, 9, (mit Mikro) ist dafür, dass die Leute statt Handys und Tablets zu benutzen wieder mehr Bücher und Spiele ausleihen oder kaufen sollten. FOTO: KLaus Dieker
Neukirchen-Vluyn. Gut 200 Menschen haben gestern auf dem Vluyner Platz gegen die geplante Schließung des Bücherei-Standorts demonstriert. Die Grünen hatten zu dem Protest aufgerufen. Von Josef Pogorzalek

Sollten die Ratsvertreter von SPD und CDU sowie Bürgermeister Harald Lenßen in den nächsten Tagen von E-Mails "überschwemmt" werden, so haben sie dies Tom Wagener zu verdanken. "Werden Sie laut und melden Sie sich zu Wort", rief der Fraktionschef und Ortsverbandssprecher der Grünen gestern den Menschen auf dem Vluyner Platz zu. Und er empfahl: "Sie können eine E-Mail schreiben und an alle verteilen."

Nicht nur Wagener war gestern klar: Öffentlicher Druck ist wohl das einzige, was die Schließung des Bücherei-Standorts noch ändern kann. So folgten denn auch gut 200 Menschen, darunter viele Kinder, dem Aufruf der Grünen zur Demonstration. Heimat- und Verkehrsverein und VdK unterstützten den Aufruf. Der VdK hatte im Vorfeld mehrere hundert Unterschriften gegen die Schließung gesammelt.

Wie berichtet soll die Bücherei in Vluyn aus Kostengründen aufgegeben werden. Unterm Strich seien Einsparungen in Höhe von jährlich mindestens 50.000 Euro zu erzielen, heißt es in den Unterlagen für den Ausschuss für Bildung und Kultur, in dem am 31. Mai die Vorentscheidung fällt. CDU und SPD sind für die Schließung in Vluyn und eine Modernisierung sowie Vergrößerung des Bücherei-Standorts Neukirchen. 250.000 Euro sind dafür veranschlagt, 175.000 davon Fördergelder im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts für Neukirchen. Bis der Umbau der Bücherei in Neukirchen abgeschlossen ist, soll die Vluyner Bücherei in der Kulturhalle Platz finden. Die Grünen möchten, dass die Vluyner Bücherei auf Dauer in der Kulturhalle bleibt.

Neben Wagener ergriff gestern auch Ratsmitglied Klaus Wallenstein (NV Auf geht's) das Wort. Er nutzte die Gelegenheit und machte Stimmung gegen CDU und SPD - "Diese Parteien hören nicht zu, was die Bürger sagen" - und den Bürgermeister, der nicht zugegriffen habe, als die Sparkasse das Bücherei-Gebäude verkaufen wollte. Dass kein Geld da sei, bezeichnete Wallenstein als "Totschlag-Argument". Sein Vorschlag: Das Geld von der Enni holen, die mit städtischer Unterstützung große Gewinne mache.

Auch Bürger ergriffen bei der Demonstration das Wort. "Zu einem lebendigen Ortskern gehört die Bücherei", sagte ein Mann. Ein anderer Mann kritisierte, dass der Weg von Vluyn bis zur Bücherei in Neukirchen vor allem für gehbehinderte Menschen eine Zumutung sei. Eine Frau berichtete, dass es in Neukirchen nur 58.000 Ausleihen gebe, in Vluyn aber gut 90.000. Wagener rechnete vor, dies bedeute, dass pro Öffnungstag 600 Bücher ausgeliehen würden. Immer wieder wurden auch Kinder auf das Rednerpodest geschickt. Wie der kleine Finn, der die Vorteile der Bücherei zusammenfasste: "Man hat viel Auswahl, es gibt auch Spiele, Filme und so weiter."

Vertreter von CDU und SPD haben sich gestern nicht blicken lassen. Auch Bürgermeister Harald Lenßen hatte die Einladung ausgeschlagen, auf der Demonstration zu reden.

Quelle: RP
 
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