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Neukirchen-Vluyn/Rheurdt
Warum Glocken wieder läuten

Neukirchen-Vluyn/Rheurdt: Warum Glocken wieder läuten
FOTO: dpa
Neukirchen-Vluyn/Rheurdt. "Klappern" statt Glockengeläut. Viele längst vergessene Bräuche sind noch heute Teil des Osterfests. Von Stefan Gilsbach

Wissen Sie, was der Begriff "Poasch" oder "Paasch" bedeutet? So nannte man früher in niederrheinischer Mundart das Osterfest. Die Wurzel des Wortes geht auf das jüdische Passah-Fest zurück. Und am Niederrhein wurden früher auch Osterbräuche gepflegt, die heute zum Teil vergessen sind.

Ein alter Brauch ist beispielsweise, dass die Kirchenglocken von Gründonnerstag bis zum Ostersamstag nicht geläutet werden. In Rheurdt und Schaephuysen "klappern" die Messdiener in dieser Zeit und sammeln mit diesen Geräuschinstrumenten auch Spenden ein. Das Schweigen der Glocken wurde den Kindern früher scherzhaft damit erklärt, die Glocken seien nach Rom geflogen. Nach einer Version wurden sie dort geweiht, nach einer anderen mit Reisbrei gefüttert. Dermaßen gestärkt, werden sie heute in der Osternacht wieder läuten.

Walter Mühlenhoff, der auf dem Winkelshof bei Neukirchen ein privates Museum mit vielen Stücken aus alter Zeit pflegt, erinnert sich: "Früher wurden die Eier nicht mit Farben bunt bemalt, man färbte sie mit einem Sud aus Zwiebelschalen, manchmal auch mit Spinat und Roter Beete." Mancherorts wird diese Methode als "natürliche" Art des Eierfärbens wiederentdeckt. Spinat wurde übrigens oft schon am Gründonnerstag als Mittagsgericht serviert. "Hauptsache, etwas Grünes kam an diesem Tag auf den Tisch!". Das konnte auch ein Mus aus frischen Grünkohltrieben, den so genannten "Spruten", sein. Auch grüne Bohnen kamen an diesem Tag auf den Tisch. Übrigens: Das "Grün" im Gründonnerstag hat eigentlich nichts mit der Farbe zu tun. "Es kommt von ,greinen', also weinen", weiß Walter Mühlenhoff.

Aber wenn es um Osterspeisen geht, spielen die Eier natürlich die Hauptrolle. "Es wurden immer Wetten abgeschlossen, wer die meisten Eier essen konnte", erinnert sich der 71-Jährige. Und auch die Schalen der verputzten Eier dienten noch einem Zweck. "Mein Vater füllte die Schalen mit Asche und Spiritus, dann wurden sie angezündet und auf Holzpfähle gestellt." Neben diesen Miniatur-Osterfeuern gab es damals natürlich auch schon das große Osterfeuer, dass die Familie Mühlenhoff immer noch zum Ostersamstag mit Nachbarn und Freunden feiert.

Osterfeuer sind heute wieder allgemein beliebt. Vor gut 35 Jahren konnte man in einem Buch "Das Niederrheinische Jahr" (Duisburg, 1983) dagegen noch lesen, dass am Niederrhein "nur noch vereinzelt" Feuer über die Ostertage zu sehen seien. In diesem Jahr sind allein in Neukirchen-Vluyn 16 Osterfeuer angemeldet worden, wie Ordnungsamtsleiter Hans Steuer mitteilt: "Das ist schon recht viel."

Wer heute ein solches Feuer anzündet, muss auf Sicherheit achten und auch prüfen, ob sich im Reisighaufen nicht kleine Tiere wie Igel versteckt haben. Seinerzeit, erinnert sich Walter Mühlenhoff, hatte man da noch ein anderes Problem: "Es gab immer wieder Witzbolde, die das Feuer schon vorher anzünden wollten, da mussten wir aufpassen."

Quelle: RP
 
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