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Neukirchen-Vluyn
Was von der Friedenseiche übrig blieb

Neukirchen-Vluyn: Was von der Friedenseiche     übrig blieb
Links: Hans-Dieter Tendick zeigt eine der 71 Stamm-Scheiben, die in Regalen trocknen. Rechts: Am 28. April 2016 wurde die Eiche abgesägt, viele Menschen schauten zu. FOTO: crei (archiv)
Neukirchen-Vluyn. Im April 2016 ist die 144 Jahre alte Neukirchener Friedenseiche gefällt worden. Hans-Dieter Tendick hat die Baumreste gerettet. Nun lagern sie auf Hof Groß Opholt der Familie Florenz. Von Josef Pogorzalek

Eichenholz ist verdammt schwer. Die wagenradgroßen, an die sieben Zentimeter dicken Holzscheiben, die auf Hof Groß Opholt lagern, wiegen an die 20 Kilo und mehr. "Es sind 71 Scheiben, eine für jedes Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg", sagt Hans-Dieter Tendick. "Das war meine Idee." Für jedes Jahr bis zum Fällen des Baums, um genau zu sein. Im April vergangenen Jahres wurde die 1872 gepflanzte, erkrankte Eiche an der Ecke-Kreuzung Andreas-Bräm-Straße/Niederrheinallee abgeschnitten. Unter den vielen Menschen, die das Gefühl hatte, ein Stück Heimatgeschichte zu verlieren, war Tendick. Und das Neukirchener Urgestein ("Meine Familie ist hier seit 1449 nachgewiesen") beschloss, zumindest das Holz der Eiche zu retten. "Es hätte sonst dem Abholz-Unternehmen zugestanden und wäre längst in Form von Pellets verheizt worden."

Für den Möbelbau taugt das Holz wegen seiner Eiseneinschlüsse nicht. Man erkennt sie als schwarze Flecken im Stamm. "Das sind Einschüsse und Splitter aus dem Zweiten Weltkrieg", sagt Michael Florenz, der sich als Baumschulmeister mit Holz bestens auskennt. Florenz hat Tendick geholfen, das Friedenseichen-Holz aus Neukirchen wegzuschaffen. Zuerst ging es zur Tischlerei Elmar Knorr nach Kengen, wo aus dem Stamm die 71 Scheiben geschnitten wurden. Seit gut einem Jahr lagern und trocknen sie jetzt in überdachten Regalen auf Groß Opholt. Tendick möchte die Stamm-Scheiben glatt schleifen, mit einem Holzbrenner beschriften, nummerieren und dann an Interessenten aus Gastronomie, Sport, Tourismus oder Wirtschaft als Wandschmuck verkaufen. Einige Interessenten gebe es schon. Und Barbara Mevissen, ehemals Chefin der inzwischen geschlossenen Metzgerei Mevissen und ebenfalls Spross einer alten Neukirchener Familie, habe bereits eine Beschriftung entworfen. Florenz bietet sich an, an jedem der Scheiben-Standorte eine junge Eiche zu pflanzen.

Mit dem Erlös soll ein "Friedenseichen-Weg" finanziert werden, auf dem zum Beispiel Radtouristen die Stadt erkunden könnten. Bislang sei diese Idee allerdings nicht auf die ganz große Begeisterung im Rathaus gestoßen, bedauert Tendick.

Nicht nur den Stamm hat Tendick gerettet, sondern auch Kronenholz sowie das mächtige Stück, an dem der Stamm in die Krone überging. Es mutet fast wie ein Kunstwerk an, und Tendick denkt auch daran, es einer Schule zur künstlerischen Gestaltung zu überlassen. Das Kronenholz lagert unter freiem Himmel und hat deshalb eine silbergraue Färbung angenommen. Auch daraus will Tendick Scheiben schneiden und diese bei öffentlichen Veranstaltungen zugunsten des Gemeinwohls verkaufen. Dann kann jeder, solange der Vorrat reicht, ein Stück Heimatgeschichte mit nach Hause nehmen.

Quelle: RP
 
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