| 00.00 Uhr

Neukirchen-Vluyn
Werbebotschafter für den Klimaschutz

Neukirchen-Vluyn: Werbebotschafter für den Klimaschutz
Stephan Baur in der Grünanlage hinter dem Rathaus. Derzeit pendelt der 28-Jährige täglich zwischen Dortmund und Neukirchen-Vluyn. Dabei nutzt er öffentliche Verkehrsmittel. "Das mach ich gerne, auch wenn ich mit dem Auto viel schneller da wäre", sagt er. FOTO: Marcus Koopmann
Neukirchen-Vluyn. Stephan Baur ist der neue Klimaschutzbeauftragte Neukirchen-Vluyns. Der studierte Raumplaner wird in den nächsten drei Jahren die Umsetzung von Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts begleiten. Von Josef Pogorzalek

Stephan Baur ist neu im Neukirchen-Vluyner Rathaus, und neu ist auch die Stelle, die er bekleidet: Baur (28) ist Klimaschutzmanager der Stadt, eine Art Werbebotschafter für Themen rund um Nachhaltigkeit und Energiewende. Dass es so jemanden mal bei der Stadt geben würde, hätte noch vor einigen Jahren kaum jemand gedacht. Dann stellte Neukirchen-Vluyn aber, wie viele andere Kommunen auch, ein Klimaschutzkonzept auf. Die Beschäftigung eines Klimaschutzmanagers resultiert aus dem umfangreichen Papier, das seit Anfang 2014 vorliegt.

Baur wurde aus den Bewerbern ausgewählt, die auf eine Stellenanzeige der Stadt geantwortet hatten. Er stammt aus Düsseldorf, wohnt jetzt aber in Dortmund, wo er an der Technischen Universität Raumplanung studiert hat. Schon im Studium rückte für ihn das Thema Klimaschutz in den Vordergrund. In seiner Abschlussarbeit verglich er, wie sich lokale und regionale Energieversorger in Sachen Klimaschutz aufstellen. Das Fazit, stark vereinfacht: Lokale Versorger tun mehr dafür. Nach dem Studium war Stephan Baur wissenschaftliche Hilfskraft am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Dort wirkte er unter anderem an der Erarbeitung von Klimaschutzkonzepten für Kommunen wie Waldbröl mit.

Jetzt arbeitet sich der sportliche Junggeselle - er fährt Rennrad, spielt Fußball und Badminton - in seine neue Aufgabe ein. Baur wird die Umsetzung von Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts betreuen und selbst Projekte zur Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen anstoßen und begleiten. Die derzeit laufenden Klimaschutzwochen Ruhr bieten ihm einen schönen Einstieg in seine Arbeit. Morgen will er sich an den Aktionen in der Stadt beteiligen. Baurs erster offizieller Termin ist das Unternehmerfrühstück am Freitag, das unter dem Motto "Energieeffizienz in Unternehmen" im Rathaus stattfindet. Unter den Teilnehmern sind Vertreter von Handwerksbetrieben. Baur hofft, erste Kontakte zu knüpfen. Er möchte ein Netzwerk von Firmen und Fachleuten schaffen, die Ratsuchenden zum Beispiel in Sachen energetische Haussanierung weiterhelfen können.

Baur wird die erstmalige Teilnahme Neukirchen-Vluyns an der Aktion "Stadtradeln" in diesem Jahr betreuen, auf dem Zettel hat er auch bereits eine Untersuchung des kommunalen Gebäudebestands auf dessen energetischen Zustand. Die Stadt will mit gutem Beispiel vorangehen und möglichst keine Energie verschwenden. Daneben gilt es, auch private Eigentümer zu animieren, ihre Häuser sanieren und renovieren zu lassen.

"Der Klimaschutz geht uns alle an", ist Baur überzeugt. Im Alltag könne jeder dazu beisteuern. Er selbst benutzt für den Weg von Dortmund nach Neukirchen-Vluyn Bus und Bahn, bei Lebensmitteln setzt er auf regionale Produkte (möglichst in Bio-Qualität) und zu Hause schaltete er abends per Fernbedienung die Steckdosenleiste aus, um sicherzugehen, dass kein Strom verbraucht wird.

Zwar schreibt das Klimaschutzkonzept die Anstellung eines Klimaschutzmanagers nicht fest, empfiehlt diese aber. Politisch war die Schaffung der Stelle umstritten, noch Ende März hatte die FDP beim Ortsparteitag ihre ablehnende Haltung unterstrichen. Die Liberalen kritisierten zusätzliche Personalausgaben. Baurs auf drei Jahre befristete Stelle (mit der Option einer zweijährigen Verlängerung) wird jedoch zu 85 Prozent durch das Bundesumweltministerium gefördert. Wie im Klimaschutzkonzept nachzulesen ist, eröffnet die Einstellung des Klimaschutzmanagers zudem die Möglichkeit, weitere Fördermittel in Höhe von bis zu 250.000 Euro für ein "Leitprojekt" zu erhalten.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neukirchen-Vluyn: Werbebotschafter für den Klimaschutz


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.