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Neukirchen-Vluyn/Moers
Wiesfurthstraße: Scheitert der Vorstoß aus Moers?

Neukirchen-Vluyn/Moers. Eine 24-Stunden-Betreuung kommt laut dem CJD nicht zustande. Nun könnte die baurechtliche Genehmigung wackeln.

Deutliche Kritik an der Verwaltung und der Politik in Moers haben die Christdemokraten in Neukirchen-Vluyn nach einem Gespräch mit Vertretern des Verbandes Christlichen Jugenddorf geäußert. Das CJD verpachtet ein Gebäude an der Wiesfurthstraße in Neukirchen an die Stadt Moers, die dort minderjährige Flüchtlinge unterbringen will - ein Coup, der für große Aufregung gesorgt hatte, weil dies ohne Wissen von Verwaltung und Politik in der Nachbarstadt eingespielt worden war. "Herr Fleischhauer hat mich eine Viertelstunde vor der entscheidenden Sitzung informiert", sagte Bürgermeister Harald Lenßen gestern trocken im Sozialausschuss. Auch das Kreisjugendamt habe nichts gewusst.

Die CDU-Fraktion wollte mehr über das Betreuungskonzept des neuen Standorts wissen und hatte daher vor einigen Tagen zwei Vertreter des CJD zur Erläuterung eingeladen. Diese hätten die Fragen auch offen beantwortet.

Eigentlich sollte das Konzept so aussehen: Zwei Gruppen werden betreut, jede mit sieben bis zehn Jugendlichen. Es soll eine 1:1-Betreuung geben, ebenfalls geplant ist eine "Clearingstelle", die Jugendlichen innerhalb von Monaten in ein dauerhaftes Betreuungsangebot weiterhilft. Allerdings räumten die CJD-Vertreter ein, dass daraus wegen Personalmangels nichts wird. Auch sonst sehen die CDU-Fraktionsmitglieder ernsthafte Mängel bei dem Konzept: "Die Jugendlichen kommen in den Zuständigkeitsbereich von Neukirchen-Vluyn und damit auch in den Verantwortungsbereich des Kreisjugendamtes Wesel." Die Stadt Moers plane, die Jugendlichen an der Wiesfurthstraße unterzubringen, ohne eine adäquate Über-Nacht-Betreuung zu bieten. "Ganz konkret soll in der Zeit zwischen 20 Uhr abends und 7.30 Uhr morgens lediglich ein Sicherheitsdienst anwesend sein. Fragen wie die Beschulung der Jugendlichen, Gesundheitsvorsorge, Beköstigung, Beschäftigung der Jugendlichen in der Freizeit, und so weiter sind mit der Verwaltung der Stadt Neukirchen-Vluyn weder abgesprochen noch bisher geklärt. Obwohl dieses Thema seit bereits einem Monat virulent ist, haben weder die Politik noch die Verwaltung aus Moers bisher etwas zur Aufklärung der Situation beigetragen." Nun gelte es seitens der Stadt Moers, den Neukirchen-Vluynern umgehend ein Konzept zukommen zu lassen, aus dem klar erkennbar sei, wie man eine Betreuung gewährleisten wollen und wann wer wie verantwortlich und erreichbar sei, insbesondere auch im Interesse der Anwohner.

Für die Stadt Neukirchen-Vluyn, die selber gern das fragliche Gebäude gemietet hätte, um Asylbewerber unterzubringen, gibt es keine direkte Möglichkeit, die Moerser Pläne zu unterbinden. Allerdings sagte Bürgermeister Lenßen gestern im Sozialausschuss, dass es eine baurechtliche Bestimmung gebe, nach der eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für eine solche Einrichtung vorgeschrieben sei. Diese sei aber, wie man ja gehört habe, nicht gewährleistet. "Eventuell könnte die Nutzung dann untersagt werden", meinte Lenßen.

Für die Anwohner der Wiesfurthstraße gibt es allerdings noch eine Überraschung. Lenßen bestätigte, dass der Verwaltung eine Anfrage vorliege, nach der dort ein Sozialkaufhaus errichtet werden soll. Diese Einrichtungen bieten zum einen preiswerte Waren für sozial Schwache und zum anderen arbeitslosen Menschen Möglichkeiten zur Qualifizierung.

(s-g)
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