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Neukirchen-Vluyn
Wirbel um Windpark an der Halde

Neukirchen-Vluyn: Wirbel um Windpark an der Halde
Mithilfe einer Rauchpatrone werden die Turbulenzen durch Windräder sichtbar (li.) - für Gleitschirmflieger eine echte Gefahr. FOTO: DHV/T. Menzel, Bilan (archiv)
Neukirchen-Vluyn. Die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses stemmten sich gestern Abend gegen die Pläne eines Investors. Grüne beantragen, alternative Standorte für Windenergie zu suchen. Von Josef Pogorzalek

Die Gleitschirmflieger vom Gleitzeit e.V. und die Modellflieger des SC MSF Windberg müssen weiter bangen: Auch die gestrige Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses hat keine echte Perspektive aufgezeigt, wie die Pläne eines Investors zur Errichtung eines Windparks an der Halde Norddeutschland gestoppt werden können. Wie berichtet, befürchten beide Vereine, dass sie ihre Freizeitvergnügen an der Halde aufgeben müssten. Bei den Gleitschirmfliegern würde es möglicherweise sogar um Leben oder Tod gehen: Die Windräder würden Luftwirbel erzeugen, die ihnen gefährlich werden könnten.

Die Grünen haben gestern einen Antrag eingebracht, nach dem Stadtverwaltung selbst prüfen soll, ob es alternative Standorte für Windenergieanlagen in Neukirchen-Vluyn gibt. Ein externes Gutachten liegt bereits vor: Danach ist die Fläche neben der Halde die einzige im Stadtgebiet, die für die Aufstellung von mehreren Windrädern infrage kommt. Der Gutachter war gestern Gast der Sitzung, er versicherte, dass seine Untersuchung gemäß allen gesetzlichen Vorgaben erfolgt sei. Der Technische Beigeordnete Ulrich Geilmann scheint das Gutachten für korrekt zu halten. "Sollen wir es vergessen?" fragte er gestern in die Politikerrunde. Während Christian Esser (Grüne) vorschlug, zumindest die im Gutachten gesammelten Date neu abzuwägen, hätte Kurt Best (CDU) das Gutachten tatsächlich wohl am liebsten "vergessen". Der Autor solle "Mitglied eines potenziellen Investors" sein, gab er zu bedenken. Dem widersprach der Gutachter in der gestrigen Sitzung allerdings. Auch Elke Buttkereit (SPD) machte klar: "Das Gutachten gefällt uns nicht." Bei dem "potenziellen Investor", der vier Windenergieanlagen an der Halde errichten will, handelt es sich um die EFI Wind GmbH aus Mülheim / Ruhr. Deren Chef Thomas Tschiesche hatte im Frühjahr im Gespräch mit dem Grafschafter erklärt, dass das Gutachten im Rahmen einer Masterarbeit in Kooperation zwischen der Uni Bochum und der EFI verfasst worden war.

Sollte es tatsächlich keine anderen Flächen für Windenergieanlagen auf dem Stadtgebiet geben, könnte es schwer werden, das Vorhaben an der Halde zu stoppen. Windräder sind bundes- und landespolitisch gewollt. Investoren können sie als "privilegierte Vorhaben" auf geeigneten Flächen zur Not auf dem Klageweg durchsetzen. Kommunen können die Ansiedlung durch die Ausweisung von "Vorrangflächen" zwar steuern. Nur müssen diese eben auch allen gesetzlichen Anforderungen genügen - unter anderem geht es um die Wahrung bestimmter Abstände zur Wohnbebauung.

Ulrich Geilmann berichtete, die Bezirksregierung habe in Gesprächen signalisiert, dass die erteilte luftrechtliche Genehmigung für die Gleitschirmflieger als Argument zur Verhinderung des Windparks nicht ausreichen werde. Sowohl CDU als auch SPD betonten denn auch, dass es um mehr geht. Kurt Best (CDU) führte an, dass die Halde zum Landschaftsparks Niederrhein gehöre, der als "Raum der Stille, Freizeit- und Sportpark" deklariert sei.

Die Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, den Schwarzen Peter sozusagen dem Investor zuzuschieben. Dieser solle im Rahmen eines vorhabenebezogenen Bebauungsplans nachweisen, dass sich die Windenergieanlagen mit den Flugsportaktivitäten vertragen. Die CDU signalisierte gestern aber, dass sie es so weit gar nicht erst kommen lassen möchte. Die Abstimmung darüber wurde in die nächste Sitzung verschoben. Dann soll auch über den Antrag der Grünen beschlossen werden, zu dem gestern noch Beratungsbedarf innerhalb der Fraktionen angemeldet wurde.

André Landkron (FDP/Piraten) war gestern der einzige, der aus der Anti-Windpark-Front ausscherte. Er wies auf die große Rolle der Energieversorgung hin. "Woanders verlieren die Leute Häuser", sagte er, wohl in Anspielung auf den Braunkohleabbau. "Und wir streiten hier wegen eines Fliegervereins."

Quelle: RP
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