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Neukirchen-Vluyn
Wo man in Neukirchen literarische Geheimtipps kennenlernt

Neukirchen-Vluyn: Wo man in Neukirchen literarische Geheimtipps kennenlernt
Ursula Hermes (2.v.r.) stellt regelmäßig lesenswerte Bücher vor. FOTO: Dieker
Neukirchen-Vluyn. Viele Leser erinnern sich bestimmt ans Literarische Quartett, jene Sendung, in der vehement über neue Bücher gestritten wurde. Im Projektzimmer in Neukirchen, bei der Veranstaltung "Bücher im Gespräch", geht es weitaus weniger reizbar zu. Einmal im Monat treffen sich hier Literaturliebhaberinnen und tauschen sich über Bücher aus. Bislang sind es nur Damen, doch gibt es kein Verbot für Männer teilzunehmen.

Ursula Hermes leitet die Runde. Sie wurde von Martha Schlothmann, der Hausherrin des Projektzimmers angesprochen, ob sie nicht einen solche Bücherabend ins Leben rufen wolle. Hermes, die früher beim Goethe-Institut in Dänemark tätig war und dort ähnliche Runden moderiert hatte, legt an diesem Abend drei Romane vor: "Fünf Viertelstunden bis zum Meer" von Ernest van der Kwast, "Stoner" von John Williams und "Spieltrieb" von Juli Zeh.

Hermes beginnt mit dem Roman von van der Kwast, sie erzählt das Wichtigste zum Inhalt, verrät aber den Schluss nicht. Sie liest als Kostprobe ein nicht zu langes Stück aus dem Buch vor. "Der Autor ist halb Inder, halb Niederländer und lebt in Südtirol", teilt sie als Hintergrund mit. Das Buch erzählt eine bittersüße Liebesgeschichte, die sich über mehr als 60 Jahre erstreckt. Doch Hermes äußert auch deutlich, was ihr an dem Buch weniger gefällt. "Die Figur von Giovanna, der Geliebten, hätte stärker im Vordergrund stehen sollen."

Als nächstes Buch stellt Hermes an diesem Abend John Williams' "Stoner" vor, einen wiederentdeckten und nun ins Deutsche übesetzten Roman von 1965. "Wir präsentieren nicht die aktuellen Neuerscheinungen", sagt die Germanistin am Rande der Veranstaltung. Das wäre ermüdend, weil oft viel Mittelmäßiges dabei sei. "Stoner" findet Hermes alles andere als mittelmäßig. Sie ist von dem Buch begeistert. "Ich konnte es nicht mehr aus den Händen legen", sagt sie und liest ein paar Seiten vor. Der Eindruck auf die Zuhörerinnen ist unverkennbar stark. Es geht um ein Durchschnittsleben, doch großartig erzählt. "Dem Titel und dem Klappentext nach hätte ich mir das Buch nicht gekauft", meint Ursula Hermes. "Ich bin froh, dass es mir jemand geschenkt hat, der ebenfalls hin und weg davon war." Wie man sieht: Wer so einen Geheimtipp kennenlernen möchte, der sollte bei "Bücher im Gespräch" teilnehmen.

Die Veranstaltung findet jeweils im letzten Dienstag des Monats um 17 Uhr im Projektzimmer, Hochstraße 1m, in Neukirchen statt.

(s-g)
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