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Neukirchen-Vluyn
Zwei Traditions-Chöre lösen sich auf

Neukirchen-Vluyn. Der Werkschor Niederberg und der Frauensingkreis hören mit dem Singen auf. Zur Chormatinee möchten sie noch einmal das Publikum erfreuen. Mit der Auflösung der Vereine endet auch ein Stück Bergbaugeschichte. Von Sabine Hannemann

Seit Jahren gehört die beliebte Matinee der drei Chöre, das sind der Werkschor Niederberg, der Frauensingkreis Niederberg und der Männergesangverein Neukirchen, zum Konzertprogramm in Neukirchen-Vluyn. Nun gaben bei einem Pressegespräch zur 14. Chor-Matinee der Werkschor und der Frauensingkreis bekannt, dass sie sich zum Jahresende auflösen.

"Irgendwann geht es nicht mehr. Uns fällt es schwer aufzuhören", sagte Ilse Müller, Vorsitzende des Frauensingkreises. Für die Sängerinnen ist jetzt zum 40-jährigen Bestehen der richtige Zeitpunkt gekommen, das Ende einzuläuten. "Wir müssen einfach die Fakten akzeptieren, und das ist ganz schön hart." Lange Zeit habe sich der Vorstand um eine Nachfolge und neue Chormitglieder bemüht, aber ohne Erfolg. "Seit 30 Jahren bin ich bereits die Vorsitzende. Unsere älteste Aktive ist über 80 Jahre", sagt Ilse Müller.

Auch der Werkschor Niederberg stellt sich der Realität. Zu den Gründen sagte Günter Kott, Vorsitzender des Werkschores: "Das Alter, die Stimme, die Gesundheit und der fehlende Nachwuchs haben bei uns diesen Entschluss reifen lassen." Der Chor habe sich über moderne Medien um neue Sänger bemüht. Facebook und ein ansprechender Internetauftritt blieben ohne die erwünschte Resonanz. "Bei Facebook haben wir entsprechend viele Likes gekriegt, aber zu den Proben kam keiner", sagt Kott. Der Werkschor hat derzeit 29 aktive Sänger, die Frauensingkreis 33 Sängerinnen. Manches Liedgut brauche eben stimmliche Vielfalt, sagt Kott. "Die ist bei uns nicht mehr gegeben.

Die Anfänge des Werkschores, eng mit der Zeche Niederberg verbunden, liegen in den 1930er Jahren. 1948 nahm der Verein seine Aktivitäten nach dem Krieg wieder auf. In der Satzung von 1934 heißt es über den Vereinszweck des Knappenchores, dem späteren Werkschor: "Sinn und Zweck des Vereins ist die Mitwirkung an der Herstellung und Vertiefung der Volks- und Werkgemeinschaft." Gepflegt wurden die bergmännische Tradition und ihr Liedgut. Zu den Voraussetzungen einer Mitgliedschaft gehörten: Mindestalter 20 Jahre, vorab eine zweimonatige Probezeit, regelmäßiges und pünktliches Erscheinen. Danach entschied der Vorsitzende über die Aufnahme. Verboten war während der Proben der Genuss von Zigaretten und Alkohol. Zum Chor gehörten nur Bergleute, die ihren Arbeitstag unter Tage auf der Zeche hatten. Zu den Pflichten gehörte unter anderem die Teilnahme an Beerdigungen von Werksangehörigen, so die Vereinsstatuen.

Im Laufe der Jahrzehnte bestimmten engagierte Vorstände und Chorleiter, zahlreiche musikalische Aktivitäten und Fahrten das Chorgeschehen, darunter Auftritte in der Essener Gruga, die Teilnahme am Bergfest europäischer Bergleute in Gelsenkirchen sowie ein Auftritt aller Vereine mit dem Bundeswehrorchester. Der Werkschor, bei Auftritten in Bergmannstracht mit Tschako und Federbusch, galt als gesellschaftliche Institution der damaligen Zechenstadt Neukirchen-Vluyn. Auch das gehört zum Werkschor: Der Niederberggruß, Musik von Karl Hammans und Text von Werner Schütte, sorgt bis heute für Gänsehaut.

1976 gründete sich der Frauensingkreis, damals ausschließlich mit den Ehefrauen der aktiven Sänger des Werkschores Niederberg. Ab 1986 präsentierte sich der Chor als "eigene sangesstarke harmonische Frauenvereinigung", heißt es in einer Festschrift.

Ein Jahr Zeit geben sich beide Chöre, "damit wir vereinsrechtlich alles abwickeln können", sagte Ilse Müller. Am Donnerstag findet die letzte Jahreshauptversammlung des Frauensingkreises statt. Ein letztes Mal werden die beiden Chöre mit dem Männergesangverein Neukirchen im April bei der Chor-Matinee zu hören sein. Beim Männergesangverein sieht die Situation übrigens anders aus. Er tritt gemeinsam mit dem Männerchor Germania Schwarzenberg auf. "Bei Konzerten stehen wir mit rund 60 Sängern auf der Bühne", sagt MGV-Vorsitzender Karl Heinz Weller.

Einen Auftritt des Werkschors beim Ehrenamtstreffen finden Interessierte online unter https://www.youtube.com/watch?v=TAB1nvOaTwk

Quelle: RP
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