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Ein Rechenbeispiel aus Neuss
475 Euro kostet ein i-Dötzchen

Ein Rechenbeispiel aus Neuss: 475 Euro kostet ein i-Dötzchen
Max Klingl wird am Donnerstag eingeschult. Dafür hat er einen Weltraum-Tornister bekommen mit der passenden Federmappe und einem Weltraum-Turnbeutel. FOTO: Andreas woitschützke
Neuss. Max Klingl ist sechs Jahre alt, in ein paar Tagen geht er in die erste Klasse der Münsterschule in Neuss. Dafür braucht Max Tornister, Sportbeutel, Federmappe, Stifte und einen Schreibtisch, an dem er seine Hausaufgaben machen kann. Das alles kostet natürlich Geld. Von Nicole Scharfetter

Einen lieben Brief hat Max bekommen, von seiner Grundschullehrerin und dem Maskottchen Felix. Sie freuen sich auf Max, schreibt die Lehrerin. Nicht mehr lange, und die beiden lernen sich persönlich kennen. Wie viele Tage es noch dauert, bis Max eingeschult wird, hat der Sechsjährige dank des Briefs jetzt immer im Blick gehabt: Jeden Tag hat er einen Fußabdruck von Felix dem Fuchs ausgemalt, ein bisschen wie Türchenöffnen am Adventskalender war das. Am Donnerstag werden alle Fußabdrücke bunt sein, dann ist Max offiziell ein i-Dötzchen.

Max freut sich auf die Schule, auf die Fußball-AG und die Pausen, in denen er Fußball spielen will. "Mit meinem Kumpel Bennet, den kenne ich aus dem Kindergarten", sagt er. Am liebsten hätte Max eine Schultüte passend zum Fußball-Thema. "Wäre die EM doch nur zwei Monate früher gewesen", sagt seine Mama Anja Klingl im Flüsterton. Die hat nämlich schon vor Monaten damit angefangen, R2D2 aus den "Star Wars"-Filmen zu basteln. Das weiß Max aber nicht, die Schultüte soll eine Überraschung werden. Vielleicht gibt es noch eine zweite, von der Tante oder der Oma: "Bestimmt greift jemand das Fußball-Motto auf", sagt die Mama. Sowieso ist viel wichtiger, was in der Schultüte ist. "Eine Butterbrotdose und eine Trinkflasche packe ich rein", sagt Anja Klingl, "ein bisschen Lego, Torwarthandschuhe und Süßigkeiten." Außerdem bekommt Max zur Einschulung ein großes Trampolin, das er im Garten aufbauen darf. I-Dötzchen ist man schließlich nicht jeden Tag. Und ausgerüstet ist Max auch schon für die Schule, mit Weltraum-Tornister und Weltraum-Federmappe, dem passenden Sportbeutel und dem Weltraum-Schlamper.

Dafür musste Mama Anja tief ins Portemonnaie greifen, fast 240 Euro hat sie für die Ausstattung ausgegeben. "Wir haben verschiedene Modelle ausprobiert", sagt sie. "Der Ergobag hat am besten zu Max' Rücken gepasst." Immerhin war die Federmappe schon mit Buntstiften bestückt. Eine lange Liste kam von der Münsterschule, auf die Max bald gehen wird, für das Material, das die Kinder zum Start mitbringen sollen. Zwei Bleistifte, Lineal, Radiergummi, Spitzer mit Behälter, Bastelschere, Kleber, Schnellhefter in blau, rot, schwarz, grün, gelb, orange und weiß. Für den Kunstunterricht müssen die Kinder mit Zeichenblock und Sammelmappe ausgestattet sein, mit Wasserfarben, Wachsmalern und Pinseln. "Dafür habe ich sicher 30 bis 40 Euro bezahlt", sagt Klingl. Markenprodukte waren nicht vorgeschrieben von der Schule, aber einen Tipp hat es gegeben: Lieber einen Farbkasten mit weniger Farben kaufen, dafür mit hoher Qualität.

Weil Max Tennis spielt, konnte Mama Anja immerhin bei den Schuhen mit heller Sohle und Klettverschluss sparen: "Die haben wir schon", sagt sie. Dafür brauchte Max einen Schreibtisch und einen Stuhl. Beides kann mit dem Sechsjährigen mitwachsen. Kostenpunkt: 120 Euro. Dazu kommen 30 Euro für die Klassenkasse, die Anja Klingl bezahlen muss - Hefte sollen davon gekauft werden. "Damit alle Kinder die gleichen haben", sagt Klingl. Nicht zu vergessen die monatlichen 105 Euro für den Offenen Ganztag (OGS), "und 56 Euro kommen nochmal im Monat fürs Mittagessen dazu."

Unterm Strich eine lange Rechnung, einen Ordner hat Anja Klingl schon angelegt: 450 Euro etwa, ohne laufende Kosten für die OGS. Bestimmt wird im ersten Schuljahr auch noch der eine oder andere Ausflug unternommen, in den Zoo oder ins Schwimmbad. "Eine Einschulung ist kostspielig", sagt Anja Klingl.

Max dagegen interessieren die Zahlen weniger, er freut sich auf die Schule, "wo ich ganz viel Lesen üben will", sagt er. Um "Die Nordseedetektive" und all die anderen Bücher aus dem Regal in seinem Kinderzimmer bald allein lesen zu können.

Quelle: NGZ
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