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Neuss
Abend im Kulturkeller erinnert an den Genozid in Armenien

Neuss. Auf den Tag genau hundert Tage nach dem roten Sonntag quillt der Neusser Kulturkeller über vor Menschen. Im Eingang hängen Bilder von Flüchtlingskindern. Einige bunt, mit Sonne und Fußballfeld. Auf einem anderen die afghanische Flagge und die deutsche und dazwischen ist mit Acrylfarben geschrieben: "Peace".

An diesem Abend erinnert die Werhahn-Mees-Stiftung mit ihrem Granatapfel-Projekt an Genozide und Flüchtlinge auf der ganzen Welt. Aktueller kann eine Kulturveranstaltung nicht sein. Zum Jahrestag des roten Sonntags, dem Tag der Deportation der armenischen Elite, diskutiert Deutschland darüber, wie man das Geschehene denn nun nennt. Bundespräsident Gauck sagt: "Völkermord". Monika Werhahn-Mees sagt: "Wir freuen uns über die deutlichen Worte des Bundespräsidenten." Doch eine Steigerung wünschen sich die meisten Besucher dennoch: Ein "Genozid" habe in Armenien stattgefunden, da sind sich die meisten einig.

"Jeder kann anfangen aufzuhören", lautet der Titel des Abends. Mit Musik, Lesungen und Bildern soll auf das erlebte Leid vieler Menschen außerhalb Deutschlands aufmerksam gemacht werden. Bei der Erarbeitung des Abends haben daher nach Deutschland geflüchtete Kinder mitgeholfen. Sie haben die Bilder gemalt, sich mit Masken verkleidet und einen Film gedreht. Einige haben Briefe geschrieben, die von den Neusser Schauspielern Jochen Ganser und Hergard Engert vorgelesen werden. Besonders ergreifend: der musikalische Beitrag von Lilit (Violine) und Mariam Tonoyan (Klavier). Sie spielen Kompositionen von Komitas. Der Künstler wurde am roten Sonntag zusammen mit 200 armenischen Intellektuellen festgenommen verschleppt.

(jahu)
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