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Neuss
Abenteuerplatz Bibliothek

Neuss: Abenteuerplatz Bibliothek
Eva Müller im Kreis ihrer Zielgruppe – einer Zielgruppe: den Jungen des auch von ihr gegründeten Programms "4boyzonly". FOTO: Woi
Neuss. Heute wird offiziell der "Tag der Bibliothek" begangen – in der Neusser Stadtbibliothek wird jeder Tag als solcher angesehen. Eva Müller kümmert sich besonders darum, dass Kinder und Jugendliche Spaß am Lesen bekommen. Von Dagmar Kann-Coomann

Es gibt ihn, den Leseknick, das ist unbestreitbar: "Mit der Pubertät geht das Leseinteresse bei einigen Jugendlichen deutlich zurück", sagt auch Eva Müller, als Mitarbeiterin der Stadtbibliothek zuständig für das Programmangebot im Kinder- und Jugendbereich. Ob die jungen Leute danach irgendwann wieder zurückkehren in die unendlichen Welten zwischen zwei Buchdeckeln oder ob sie dem Papiermedium endgültig verloren gehen, hängt nach Müllers Erfahrung stark davon ab, welches Fundament vorher gelegt wurde.

"Die Begegnung mit Büchern kann nicht früh genug beginnen und es ist dabei wichtig, dass Kinder sehen, dass ihre Eltern sich selber für Bücher begeistern. Desto mehr sie von Büchern umgeben sind, vorgelesen bekommen und auch erleben, dass über Bücher gesprochen wird, desto stärker wird ihre Bindung an Bücher", erklärt die Bibliothekarin. Allerdings ginge es gar nicht darum, alle Menschen zu leidenschaftlichen Leseratten zu machen: "Es geht um Lesekompetenz, die einfach die elementarste Kompetenz in unserem Bildungssystem ist."

Und damit auch jene Kinder und Jugendliche eine Chance bekommen, diese Schlüsselkompetenz auszubauen, denen von Hause aus Bücher eher fremd sind, engagiert sich Eva Müller für Partnerschaften zwischen der Bibliothek und Kindertagesstätten oder Schulen. Lesungen, Bibliotheksführungen und abenteuerliche Erfahrungen rund um die Stadtbibliothek, etwa in einer Lesenacht, vermitteln den Kindern möglichst früh, dass die Bibliothek ein guter Ort ist, an dem man sich wohlfühlen und eine riesige Menge spannender Geschichten entdecken kann. Aber gibt es auch hier das Problem vieler Bildungseinrichtungen, dass die, die man erreichen möchte, nur schwer erreichbar sind? Und welcher Weg führt zu den Kindern bildungsferner Schichten? "Das Interesse an Büchern ist nicht gebunden an soziale Schichten und es ist auch kein Nationalitätenproblem", sagt sie. Es gebe wohlhabende Leute, bei denen die Bücher im Schrank nur Attrappen seien, und Migrantenfamilien, die sehr großen Wert auf Bücher legten.

Im Rahmen des interkulturellen Angebots veranstaltet Eva Müller regelmäßig zweisprachige Lesungen – gerade für Kinder und bietet diese auch den Kindertagesstätten an. Aber sie bleibt bei allem Engagement auch ganz pragmatisch: "Wir werden nie 100 Prozent der Kinder erreichen, aber wir können viele anstupsen, die sonst nie in die Bibliothek kämen." Denn gerade die ersten Erfahrungen mit Büchern entscheiden darüber, ob Jugendliche nach dem "Leseknick" in der Pubertät zum Lesen zurückfinden. Dass hier schon einiges erreicht wurde, könne man in Schulzeiten leicht beobachten: "In unserem Arbeitsraum für Schüler geht es oft zu wie im Bienenkorb."

Quelle: NGZ
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