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Neuss
Abiturientin auf dem Weg nach China

Neuss. Am Berufskolleg Weingartstraße hat Olivia Schneider Chinesisch gelernt. Sie war schon in Wuxi und hat nun den Sprachtest geschafft. Von Julia Rommelfanger

Luftlinie ist Shanghai von Neuss fast 9.000 Kilometer entfernt - der Flug dauert beinahe 13 Stunden. Und chinesische Schulkinder müssen in den ersten sechs Jahren rund 3000 Schriftzeichen lernen. Trotzdem hat sich Abiturientin Olivia Schneider an das ostchinesische Land und seine komplizierte Sprache herangewagt. Die 20-Jährige, die gerade am Wirtschaftsgymnasium des Berufskollegs Weingartstraße ihr Abitur macht, hatte mit 16 einen chinesischen Freund, der sehr jung verstarb. "Er sagte, ich müsse unbedingt auch ohne ihn einmal nach China reisen, erzählt sie.

Diese Reise trat die Neusserin vor einem Jahr an - auch dank der vielen Brücken, die das Berufskolleg für Wirtschaft und Informatik seinen Schülern nach China baut: Seit dem Schuljahr 2012/2013 leitet Lehrerin Sigrid Thomas, die Sinologie studiert hat, eine Chinesisch-AG für Schüler aller Bildungsgänge. "Ich bringe den Teilnehmern bei, wie man sich in Alltagssituationen auf Chinesisch ausdrückt - beim Einkaufen, im Restaurant, im Gespräch mit Freunden über Hobbys oder im Taxi." Zudem befassen sich die Schüler mit aktuellen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Themen, erkunden die chinesische Kultur und lernen auch einige Schriftzeichen. Die meisten nutzen den Sprachkursus als Vorbereitung für den seit 2007 jährlich stattfindenden Schüleraustausch mit dem Ausbildungszentrum für Mittlere-Betrieblich-Technische Führungskräfte in Wuxi, einer Sechs-Millionen-Einwohner-Stadt in der ostchinesischen Provinz Jiangsu.

Das Austauschprogramm war auch für Olivia Schneider die Gelegenheit, ihren Traum einer Chinareise zu verwirklichen. Nach einem halben Jahr Sprachunterricht in der Chinesisch-AG flog sie mit Sigrid Thomas und vier anderen Schülern des Berufskollegs nach Shanghai und von dort zwei Stunden mit dem Bus weiter nach Wuxi. "Bei einem Schüleraustausch mit viel Kontakt zu Chinesen lernt man das Land ganz anders kennen, als wenn man nur als Tourist dort ist", berichtet die Abiturientin. Am Anfang haben sie die Dimensionen der für chinesische Verhältnisse eigentlich kleinen Stadt Wuxi, aber vor allem der Mega-City Shanghai, schlichtweg "überfordert". Nach und nach lernte sie dann auch die angenehmen Seiten des Lebens dort kennen. "Es gibt erstaunlich viele Grünanlagen, durchweg freundliche, positive Menschen und angenehme Rituale, wie die Gymnastik, zu der sich ältere Chinesen um sechs Uhr morgens im Park treffen." Obwohl sich die deutschen und chinesischen Schüler vor allem auf Englisch verständigten, konnte Olivia Schneider auch ihr Chinesisch nutzen: "Ältere Menschen in Wuxi, auch Taxifahrer, sprechen kein Englisch. Als ein Taxifahrer mit uns eine völlig falsche Route fuhr, mussten wir ihn auf Chinesisch darauf hinweisen."

Nach dem zweiwöchigen Aufenthalt in Wuxi feilte Olivia Schneider weiter an ihren Sprachkenntnissen. Im Oktober 2015 absolvierte sie die erste Stufe des international anerkannten Sprachtests Hanyu Shuiping Kaoshi (HSK). Sie möchte alle weiteren fünf Niveaustufen des Tests absolvieren möchte - auch für ein mögliches Auslandssemester in Peking oder Shanghai. Ihr Plan nach dem Abitur: Sinologie und Sozialwissenschaften studieren.

Quelle: NGZ
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