| 09.42 Uhr

Neuss
Abschied mit der Klassiknacht

Neuss: Abschied mit der Klassiknacht
Warm soll es werden am kommenden Freitag, wenn die Klassiknacht im Rosengarten über die Bühne geht. Im vergangenen Jahr hatte es pünktlich zum Konzertbeginn aufgehört, zu regnen. FOTO: Woi
Neuss. Der Chefdirigent der Deutschen Kammerakademie, Lavard Skou Larsen, verlässt das Stipendiatenorchester spätestens nach der Klassiknacht 2017. Für die aktuelle am kommenden Freitag hat er Opernkompositionen zusammengestellt. Von Helga Bittner

Diese Klassiknacht wird nicht die letzte von Lavard Skou Larsen ein. Jedenfalls nicht, wenn es nach Orchestermanager Martin Jakubeit geht. Die Klassiknacht im Rosengarten gilt seit jeher als Schlusspunkt der Saison, und so empfindet es Jakubeit als natürlich, dass Skou Larsen als Chefdirigent der Deutschen Kammerakademie (DKN) den Stab 2017 auch erst danach abgibt - so die Klassiknacht dann stattfindet (vorbehaltlich des Wetters und der Finanzierung durch 3M).

Dass der Vertrag mit dem Dirigenten und Geiger vom Vereinsvorstand der DKN über die Saison 2016/17 nicht verlängert wird, nimmt der in Salzburg lebende Musiker mit Gelassenheit auf. "Wenn ich ein nettes Angebot bekommen hätte", sagt er mit einem Lächeln, "wäre ich auch geblieben." Allerdings sei ihm in den Gesprächen mit dem Vorstand auch bewusst geworden, dass es nach zwölf Jahren unter einem Chef Zeit sei, etwas Neues zu probieren. "Natürlich gibt es auch Dirigenten, die ein Orchester auf Lebenszeit leiten", meint er trocken, "aber das kann auch sehr in die Hose gehen." Lieber sieht er in dem Ende der Zusammenarbeit auch die Vorteile: "Ich würde auf Dauer gerne ein Sinfonieorchester leiten und möchte noch mehr international arbeiten." Denn wenn er überhaupt ein Manko bei der DKN sieht, dann dieses: "Es ist ein supergutes Orchester, aber viel zu wenig bekannt."

Lavard Skou Larsen dirigiert die DKN seit zwölf Jahren. FOTO: M. Stegemann

Im Abwägen auch seiner persönlichen Wünsche, die jetzt wieder Raum bekommen, sei die Trennung letzten Endes einvernehmlich verabredet worden, sagt der Musiker, der zudem glaubt, das Beste aus der DKN hervorgeholt zu haben. Er habe mit den Musikern einen Stil erarbeitet, den er mit "sehr griffig, bewusst mit Klassikern umgehend, risikoreich, durchleuchtend und mit Rücksicht auf den Geist, nicht den Intellekt" beschreibt. Nun wünscht er sich vor allem, dass dem Orchester dieser Stil nicht verloren geht, oder sein Nachfolger einen prägt, der eben verhindert, dass das Orchester zwar "sehr gut, aber normal und undefinierbar" wird. Und so hat er auch eine Empfehlung für seine Nachfolge abgegeben.

Orchestermanager Jakubeit hat derweil schon einen Plan erarbeitet, an dessen Ende die Berufung eines neuen Chefs im Jahr 2018 steht. Ein "Artist in Residence" wird die DKN nach Skou Larsen zwei Saisonen führen und von den insgesamt acht Neusser Konzerten drei leiten. Für die anderen fünf werden Gäste verpflichtet, aus deren Kreis 2018 der Chef gewählt wird, der die DKN dann in Gänze ab 2019/20 führen wird. Während dem Orchester dabei die wichtigste Stimme eingeräumt wird, wie Jakubeit sagt (aber der Vorstand letzten Endes entscheidet), hält Skou Larsen sich komplett raus. Als Gast wird er wiederkommen, aber sich mindestens zwei Saisonen zurückziehen.

Zunächst aber wird er die aktuelle Saison "EurOPERmeisterlich" beenden. So lautet der Titel der Klassiknacht am kommenden Freitag, der "natürlich an die Fußball-EM angelehnt ist", wie Skou Larsen sagt und beliebte Kompositionen aus EM-Teilnehmer-Ländern vereint. "Aber wir haben die Russen auch nicht wieder rausgeworfen, nachdem sie in Frankreich fertig sind", sagt Skou Larsen schmunzelnd, "und sogar die Niederländer sind dabei - nämlich mit dem ,Fliegenden Holländer'." Solisten sind Gitarrist Andreas M. Germek, die Tänzerin Belén Cabanes und Sopranistin Barbara Felicitas Marin.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Abschied mit der Klassiknacht


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.