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Neuss
Absurde Shakespeare-Komödie wieder spielbar gemacht

Neuss: Absurde Shakespeare-Komödie wieder spielbar gemacht
Proteus verabschiedet sich von seiner (noch) geliebten Julia. FOTO: C. Krey
Neuss. Das Klima in der Wetthalle, dem Foyer des Shakespeare-Festivals im Globe, mit Hunderten von Besuchern, die vor dem Regen geflüchtet sind, lässt Schlimmes befürchten: Die Feuchtigkeit drinnen schlägt die draußen um Längen und macht den Gedanken an die anstehende pausenlose, zweistündige Aufführung der Komödie "Zwei Herren aus Verona" in dem Holzbau nicht eben rosig.

Aber schon die ersten Minuten dieser beschwingten, witzigen und schrägen Interpretation von Regisseur Veit Schubert und den Studenten der Schauspielhochschule Ernst Busch in Berlin lassen alles vergessen. Die unbändige Spielfreude der sieben jungen Darsteller schwappt regelrecht ins Publikum - obwohl sie doch wirklich nur die Bühne, nicht aber - wie andere oft - den Raum davor bespielen. Die recht krude Geschichte der beiden Freunde Proteus und Valentin (jeder für sich eine Entdeckung: Felix Strobel und Leonard Scheicher) interessiert Schubert nur insofern, als dass sie ihm die Folie für ein skurriles Spiel um Liebe und Verrat, um Lug und Betrug bietet. Die Kostüme zitieren allenfalls Shakespeares Zeit, und allein mit Licht, Musik und einer kahlen, aber gardinenummantelten Bühne wird eine Atmosphäre geschaffen, die der großen Leichtigkeit des Spiels wunderbar entspricht.

Viel Ironie, ein großes Vergnügen an den schnellen Wortspielereien des Stücks, die in Frank Günthers Übersetzung so schon funkeln, aber sprachlich von den Darstellern auch bestens gemeistert werden, machen die Aufführung zu einem großen Vergnügen für die Zuschauer.

So waren die Stücke beim Shakespeare-Festival 2016 FOTO: Björn Hickmann

Die sehr früh entstandene Komödie von Shakespeare hat keine große Fallhöhe, reißt viele Dinge nur an oder bringt sie holter-di-polter zu Ende. Veit Schubert hat das einzig Machbare geschafft und aus dem Stück eine Farce gemacht. Mit dem Mut zur kräftigen und auch derben Überzeichnung, die jedoch von den Darstellern sehr fein und auf den Punkt ausgespielt wird.

(hbm)
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