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Neuss
Afrikanerin kocht auf dem Wochenmarkt

Neuss: Afrikanerin kocht auf dem Wochenmarkt
Faith Elis Ohio bietet afrikanische Küche auf dem Wochenmarkt an. Sie kocht selbst, wünscht sich nur eine größere Küche. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Die 39-Jährige, aus Nigeria stammende Faith Elis Ohio hat sich selbstständig gemacht - mit einem Marktstand auf der Furth. Von Dagmar Fischbach

Seit rund einem halben Jahr steht Faith Elis Ohio mit ihrem kleinen Imbisswagen auf dem Wochenmarkt am Sebastianusplatz. Jeden Freitag bietet die Nigerianerin frisch zubereitete Spezialitäten aus ihrer afrikanischen Heimat an. "Leben kann ich davon aber leider noch nicht. Die Menschen im Neusser Norden haben nicht viel Geld. Ich nehme zwischen zwei und drei Euro pro Gericht. Das ist vielen noch zu teuer. Aber darunter kann ich es nicht verkaufen. Ich habe ja auch Kosten", sagt sie. Aufgeben kommt für Elis Ohio aber nicht infrage. "Kochen ist meine große Leidenschaft, und die afrikanische Küche hat viel zu bieten. Ich möchte sie den Menschen in Neuss näher bringen", erklärt sie.

Noch würden sich viele Marktbesucher nicht trauen, die ihnen unbekannten Gerichte zu kosten. Neben Jollof Reis (Tomatenreis), Fufu (Kartoffelklößen mit Erdnusssauce) oder Dodo (gebratene Kochbanane) habe sie daher auch Wraps mit verschiedenen Füllungen und Pommes Frites im Programm. "Das kennen die Leute, und ich biete ihnen meine Gerichte zum Probieren an - die meisten sind begeistert und kommen wieder", sagt die begeisterte Köchin.

Vor rund elf Jahren ist sie aus Nigeria nach Neuss gekommen. "In meiner Heimat ist es nicht möglich, dauerhaft in Frieden zu leben. Ich wollte meinen Kindern eine bessere Zukunft bieten", erklärt sie. In Neuss habe sie anfangs mit dem Vater ihres zehnjährigen Sohnes und der sechs Jahre alten Tochter zusammen gelebt. "Aber es hat nicht funktioniert. Wir haben uns getrennt. Jetzt muss ich allein für meine kleine Familie sorgen", sagt die 39-jährige.

In Ihrer Heimat hat Faith Elis Ohio Finanzwirtin gelernt: "Aber mein Deutsch ist nicht gut genug, um in diesem Beruf zu arbeiten." Deshalb habe sie zunächst als Zimmermädchen in einem Hotel gearbeitet. Doch das habe sich nicht mehr mit den Kindergartenzeiten ihres Sohnes vereinbaren lassen. Sie habe dann eine Fortbildung zur Tagesmutter gemacht. "Ich wollte bei mir zu Hause Kinder betreuen. Dadurch hätte ich auch öfter für meine Tochter da sein können. Sie leidet am Down-Syndrom", erzählt sie. Doch ihr Plan ging nicht auf. Elis Ohio fand keine Interessenten. "Schließlich habe ich als Aushilfe in einer Küche angefangen. Dort reifte die Idee, mich mit meinen Kochkünsten selbstständig zu machen." Um ihren Traum zu verwirklichen, habe sie Fortbildungen besucht und viele Papiere ausfüllen müssen. "In Deutschland ist alles ganz genau geregelt. Alles wird geprüft und muss seine Ordnung haben. Aber das ist auch gut so. Sonst hätte es dieses Land sicher nicht so weit gebracht", stellt die Afrikanerin fest.

Seit rund zwei Jahren bietet sie nun "Faith's African Kitchen" an. "Wer zum Beispiel eine Gartenparty feiert, kann meinen Imbisswagen bestellen. Ich bereite die Speisen dann frisch vor Ort vor. Aber ich koche auch bei Events", sagt sie. Bei den Salsaabenden des TSV Norf und der TSK Kaarst habe sie fürs leibliche Wohl gesorgt, zweimal für den Afrikanischen Abend im Kaarster Alten Rathaus das Buffet ausgerichtet. Auch für diesen Sommer sei sie wieder eingeplant.

"Es macht großen Spaß, und die Leute sind sehr nett. Viele Deutsche sind nett. Obwohl sie zunächst sehr distanziert wirken. Aber die meisten sind aufgeschlossen. Ich bemühe mich aber auch, einen Zugang zu finden. Zum Beispiel trage ich schon mal für Nachbarn die Mülltonnen raus. Probleme habe ich nicht", sagt sie.

Aber einen neuen Traum: Faith Elis Ohio möchte eine Küche mieten. "Dann könnte ich auch einen Cateringservice anbieten. Meine eigene Küche ist zu klein. Hoffentlich bekomme ich dafür von der Bank einen Kredit", sagt sie. Viele Papiere ausgefüllt hat sie schon.

Quelle: NGZ
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