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Neuss
Als das Ford-Werk beinahe nach Neuss gekommen wäre

Neuss: Als das Ford-Werk beinahe nach Neuss gekommen wäre
Das Werk, das Ford ab Mitte der 1920er Jahre geplant hat, wurde schließlich in Köln-Niehl errichtet und 1931 eröffnet. FOTO: obs/Ford-Werke GmbH (2)
Neuss. Am 1. Juni 1931 hat der Automobilhersteller Ford sein Werk in Köln eröffnet. Bei der Standortwahl war jedoch auch die Stadt Neuss lange in der engeren Auswahl. Von Andreas Buchbauer

Es hätte alles ganz anders kommen können. Erst das Modell A und später der Taunus und der Granada hätten in Neuss vom Fließband laufen können. Aber nicht zuletzt Konrad Adenauer machte den Neussern damals, an der Schwelle der 1920er zu den 1930er Jahren, einen Strich durch die Rechnung. Adenauer, seinerzeit Oberbürgermeister von Köln, warb vehement um die Ansiedlung des US-amerikanischen Automobilunternehmens Ford in der Domstadt. Das Unternehmen hatte die Fühler für sein neues Werk jedoch auch schon nach Neuss ausgestreckt. Dort war 1927 das Hafenbecken III fertiggestellt worden. Ein interessanter Standort.

Als der Neusser Stadtrat, geführt von Oberbürgermeister Heinrich Hüpper, am 17. September 1929 tagte, ging es daher auch um eine mögliche Ford-Ansiedlung in der Quirinus-Stadt. Im Stadtarchiv ist das entsprechende Ratsprotokoll erhalten. "Zu Beginn der Sitzung berichtete der Vorsitzende darüber, dass die Automobilfirma Ford aus Amerika beabsichtige, sich am Rhein niederzulassen und dass seit einigen Monaten zwischen der Stadt Neuss und der Firma Verhandlungen schwebten", heißt es darin. Wie die Verhandlungen ausgingen, sei nicht abzuschätzen - zumal auch andere Städte in der Verlosung waren. Heinrich Hüpper betonte zwar, dass Neuss der Firma Ford durchaus etwas zu bieten habe, er sich aber auf keinen Konkurrenzkampf mit anderen Städten einlasse. Möglicherweise auch ein Seitenhieb, weil der Poker in vollem Gange war. Die Kölnische Zeitung bezeichnete Neuss seinerzeit als stärksten Konkurrenten für Köln. In der Quirinus-Stadt wussten sie jedoch alsbald, dass die Domstadt den Zuschlag erhält.

Grundstücksfragen mögen dabei eine Rolle gespielt haben, aber wohl auch steuerliche Fragen. Das lässt sich in Zeitungen der Zeit nachlesen. Es wird zum Beispiel berichtet, dass Neuss aus den Verhandlungen auch ausgestiegen sei, da die Stadt die Forderungen des Automobilherstellers nicht anzunehmen gedachte. Weitere Bewerber wie Duisburg schieden ebenfalls aus.

Am Ende griff Köln zu. Ford nennt vor allem das Engagement Konrad Adenauers als ausschlaggebend. Es sei insbesondere dem Kölner Oberbürgermeister zu verdanken gewesen, dass die Domstadt das Rennen machte. Er habe Henry Ford vom Standort Köln überzeugt.

In die neuen Fertigungshallen, die eine Grundfläche von 33.000 Quadratmeter umfassten, investierte der Autohersteller rund zwölf Millionen Reichsmark. Zur Grundsteinlegung am 2. Oktober 1930 war neben Adenauer auch Henry Ford anwesend. "I know that the German people will make a good job", betonte er. Am 1. Juni 1931 wurde das Kölner Werk offiziell eröffnet. Damit hatte Ford eine wichtige strategische Entscheidung umgesetzt. Es war der zweite Schritt für das Unternehmen in Deutschland. Denn Fords Geschichte hierzulande reicht bis ins Jahr 1925 zurück.

Damals eröffnete das US-amerikanische Unternehmen in Berlin seine erste Dependance und komplettierte im Westhafen das legendäre Modell T aus Bausätzen. Wenig später fiel die Entscheidung, nach England auch in Deutschland eine eigene Fahrzeugproduktion aufzuziehen, die sich am europäischen Geschmack orientieren sollte. Das war der Auftakt zur Standortsuche, bei der Nord- und Süddeutschland nach und nach ausschieden und der Blick gen Westen ging.

Stadtarchivar Jens Metzdorf betont, dass die Verhandlungen zwischen Ford und der Stadt ein spannendes Forschungsfeld sind. Viele Details sind noch unbekannt. Bekannt ist dafür die Geschichte des Kölner Werks. Zunächst wurde das Modell A gefertigt, alleine im ersten Jahr mehr als 6000 Autos. Es folgte das Modell B, auch "Rheinland" genannt. Letzte Vorkriegskonstruktion war 1939 der G37A. Die Produktion wurde angesichts der aus den Fugen geratenen Welt eingestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg startete er jedoch erneut durch - als "Taunus". Bis 1952 rollten fast 75.000 sogenannte "Buckel-Taunus" in Köln vom Band. In den nächsten Jahrzehnten folgten so erfolgreiche Fahrzeuge wie die "Weltkugel", der Capri, Granada, Scorpio und Fiesta. - made in Köln. Und beinahe made in Neuss.

Quelle: NGZ
 
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