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Aus Der Geschichte
Als die Marienkirche den Höhenrekord hielt

Neuss. Bis vor 70 Jahren war die Marienkirche mit ihrem Spitzdach noch das höchste Gebäude der Stadt.

Neuss (bur) So kennen die Marienkirche nur wenige: Ein spitz in den Himmel weisendes Dach machte die 1902 gebaute Kirche mit knapp 80 Metern Höhe jahrzehntelang zum höchsten Punkt der Stadt. Bis zum Zweiten Weltkrieg, nach dem vom Kirchenschiff nur die Mauern und vom Kirchturm nur der Rumpf stehengeblieben war. Beim Wiederaufbau bekam der Turm ein wesentlich flacheres Pyramidendach - und gab den Höhenrekord wieder an die Christuskirche (61 Meter) und das Quirinusmünster (53 Meter) ab.

Hermann-Josef Schmitz, Hilfsgeistlicher der Pfarreigemeinschaft Neuss-Mitte, blickt von seiner Wohnung direkt auf die Kirche. "Die Marienkirche und St. Quirinus standen immer in Rivalität", sagt der 71-Jährige. Dass die Marienkirche nach zwei Jahren Bauzeit nicht nur die höhere war, sondern auch eine eigene Pfarrgemeinde aufnahm, habe ihr eine hohe Bedeutung in der Stadt verschafft. Nicht ohne Diskussion sei nach dem Krieg beschlossen worden, sie in anderer Form wieder aufzubauen: Viele der neugotischen Elemente wurden vereinfacht, der Kirchenraum habe eine Flachdecke bekommen und der ehemalige Spitzturm ein flacheres Dach. "Die Kirche wurde nicht im kunsthistorischen Sinne restauriert", sagt Schmitz. Finanzielle und praktische Gründe habe es gehabt, dass die Baumeister in den Jahren 1948 bis 1950 die neugotische Marienkirche in gestutzter Form wieder aufbauten. Auch das habe "erhebliche Aufwendungen" erfordert, betont Schmitz.

Heute erinnere sich kaum noch jemand daran. Die Zeitzeugen, die die spitze Kirche noch kennen, seien im Aussterben begriffen, sagt Schmitz. Als "großer Zeigefinger" in den Himmel habe aber auch der heutige, kleinere Turm seine Funktion nicht verloren.

Quelle: NGZ
 
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