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Neuss
Als Domspatz die Gesangslaufbahn gestartet

Neuss. Bariton Benjamin Appl gibt mit Pianist Simon Lepper morgen Abend eine Konzert im Zeughaus.

Als Regenburger Domspatz hat er mit dem Singen angefangen. Von 1992 bis 2001 gehörte Benjamin Appl zum Domchor, und natürlich ist die Nachricht von den Missbrauchs-Fällen auch bis zu ihm in sein Londoner Zuhause gedrungen. "Das macht mich absolut betroffen", sagt der 33-Jährige, der morgen im Zeughaus zusammen mit dem Pianisten Simon Lepper ein Liederprogramm von Schubert über Krenek bis zu Wolf präsentiert, "vor allem, wo es nach meinen ganz persönlichen Erfahrungen so schwer vorstellbar für mich ist."

Weder er noch seine beiden Brüder, die ebenfalls bei den Domspatzen waren, hätten negative Erfahrungen gemacht, erzählt er weiter. Im Gegenteil: "Ich habe dem Chor wahnsinnig viel zu verdanken - nicht nur das Vom-Blatt-singen, sondern auch soziales Verhalten, etwa bei den oft recht langen Tourneen." Georg Ratzinger, der bis 1992 der Leiter des Knabenchors war, schätze er "als Musiker wie als Mensch", kann sich von ihm nicht vorstellen, dass er von den Missbrauchsvorwürfen gewusst und nichts unternommen haben soll.

Für den gebürtigen Regensburger Appl war die Zeit bei den Domspatzen die Basis für seine weitere Laufbahn. Obwohl: Nach dem Abitur begann er erstmal Betriebswirtschaft zu studieren, bevor er zusätzlich ein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und Theater München sowie an der Bayerische Theaterakademie August Everding aufnahm.

Alle drei Ausbildungen hat er auch beendet - was er heute noch als großen Vorteil betrachtet. "Wenn man direkt nach dem Abitur mit dem Gesang anfängt", sagt er, "ist man einfach noch zu jung für dieses wirklich sehr fordernde Studium." Dass er später habe beginnen können, sei für ihn "wahnsinnig wichtig" gewesen.

Danach ging es für ihn aber auch nur noch bergauf. Nachdem er 2010 nach London ging und bis 2013 an der Guildhall School of Music & Drama weiterstudierte, wurde er von der BBC für die Spielzeiten 2014 bis 2016 als "New Generation Artist" benannt. Das Barbican Centre London machte ihn außerdem zum "Rising Star" 2015/16. Das sei ja wirklich sehr gut für ihn gelaufen, sagt Benjamin Appl zurückhaltend - wie jemand, der nur mit Vorsicht genießt: "Man muss plötzlich auch sehr hohe Erwartungen erfüllen und kann auch wieder richtig tief fallen." So oder so ist er darüber in London "hängen geblieben", wie lachend sagt.

Seine Familie mit einer musikalischen Mutter, aber einem an Musik weniger interessierten Vater, hat sich die steile Karriere ihres Benjamin wohl kaum vorstellen können. Schmunzelnd gibt Appl nämlich die in der Familie gern erzählte Anekdote über seinen Start bei den Domspatzen wider: "Ich hatte meinen älteren Bruder zum Vorsingen bei Georg Ratzinger begleitet und auf dessen Frage, wann ich denn kommen wolle, geantwortet: Ich mag das Gequietsche nicht."

Info Markt 20-22, morgen, 20 Uhr, Karten unter 02131-5269 9999, Einführung um 19.15 Uhr

(hbm)
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