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Neuss
Als Leih-Oma ins Ausland - mit der Kontaktbörse "Granny Au-pair"

Neuss. Ein Leben lang hat Jutta Zacher von einem längeren Auslandsaufenthalt geträumt. Doch die Eltern redeten der heute 63-Jährigen die Idee aus. Und so ging sie nach der Schule nicht zur Lufthansa, sondern zum Bergbau, studierte Mathematik und arbeitete in der EDV. Die zweite Chance bot sich im Alter von 40 Jahren. Die Anfrage, beruflich ins Ausland zu gehen, lehnte sie jedoch ab, um ihre Mutter zu pflegen. Erst als für die kinderlose Frau Altersteilzeit und Rente anstanden, erfüllte sie sich ihren Lebenstraum: Und zwar als Aupair. Mehrere Monate ging es für die 62-Jährige in die Schweiz, wo sie die achtjährige Tochter ihrer Gastfamilie hütete. Alles wie beim klassischen Au-pair. Von Jascha Huschauer

Von ihren Erfahrungen berichtete Jutta Zacher jetzt in der Stadtbibliothek. Dort stellte sie zusammen mit Michaela Hansen (55) das Projekt "Granny Au-pair" vor. Hansen ist Erfinderin des Angebots und Gründerin der gleichnamigen Agentur. Mehr als 1000 Leih-Omas hat sie seit 2010 in mehr als 40 Länder vermittelt und darüber ein Buch geschrieben. "Ich habe mich gefragt, warum es so ein Angebot eigentlich nur für 17-Jährige gibt", sagt Hansen. "Ältere Frauen können doch mindestens genau so gut auf Kinder aufpassen."

Die Agentur "Granny Au-pair" fungiert als Kontaktbörse für Bewerberinnen und Familien. Beide können ihre Profile online stellen. Die Kontaktaufnahmen ist erst möglich, wenn ein Mitgliedsbeitrag zwischen 30 und 60 Euro gezahlt wurde. Das Angebot richtet sich an abenteuerlustige und aktive ältere Damen. "Warum nicht einfach Dinge tun, die sonst nur junge Menschen machen", fragt Hansen. Sie berichtet von glücklichen Grannys. "Viele kommen zurück und haben sich total verändert." Beispiel ist die 61-Jährige Lucie, die nach Indien ging. "Ich habe in dem halben Jahr, mehr erlebt als in der Hälfte meines Lebens", sagt sie. Neben den Erfahrungsberichten nutzt Hansen den Auftritt in der Stadtbibliothek, um Ablauf und Anforderungen zu erklären. Und sie appelliert an die rund 40 Besucherinnen, sich vorher gut damit zu beschäftigen: "Sie müssen selber entscheiden, ob das was für sie ist", sagt Hansen.

Jutta Zacher hat es jedenfalls nicht bereut. "Ich habe mich sehr gut mit dem Mädchen verstanden, habe die Schweiz wirklich gut kennen gelernt und bin ein Teil der Familie geworden", schwärmt sie.

Quelle: NGZ
 
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