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Neuss
Als Sohn eines Malers den Filmblick für die Kunst entwickelt

Neuss. Tilman Urbach kommt aus einer Künstlerfamilie und hat einen Film über den 2013 gestorbenen Maler Gotthard Graubner gedreht. Von Helga Bittner

Es muss so sein, wie Tilman Urbach es sagt. In seiner Familie wird offenbar ein "optisches Gen" von Generation zu Generation weitergegeben. Großonkel Josef Urbach (1889-1973) war ein bekannter Maler der Gruppe "Junges Rheinland", Vater Walter Urbach (90) ist der arrivierte "Mohnmaler", Sohn Tilman (54) hat sich als Filmemacher einen Namen gemacht, und dessen Sohn Justin (20) ist gerade an der Kunstakademie in München für ein Fotografie-Studium angenommen worden.

Zumindest drei Generationen sind also in einem Umfeld groß geworden ist, in dem künstlerische Arbeit etwas normales war. So erklärt sich Tilman Urbach auch, warum er, der eigentlich von der Sprache kommt und Germanistik studiert hat, doch beim Film gelandet ist. Ein Zufall war es, eine gelungene Arbeit über den Schriftsteller Horst Bienek habe ihm viele Türen geöffnet. Unter anderem auch die beim BR in München. Für den Sender drehte er dann seinen ersten Film über den Künstler Rupprecht Geiger, viele weitere sollten folgen.

Seit mehr als 25 Jahren lebt Tilman Urbach mit seiner Familie - Ehefrau Sonja und Tochter Nele gehören noch dazu - in München, mag aber vom Rheinland nicht lassen: "Wenn ich ganz zurückkäme, ginge ich an den Niederrhein", sagt er lachend. Schon sein Film über den Vater ("Der Mohnmaler") hatte im Düsseldorfer Bambi Kino-Premiere, und auch den jüngsten über den Maler Gotthard Graubner wird er dort präsentieren. "Da komme ich zurück zu den Wurzeln meiner eigenen Kino-Erlebnisse", sagt der in Kaarst aufgewachsene Urbach schmunzelnd.

Sein jüngster Film über Graubner, der auf der Museumsinsel Hombroich lebte und arbeitete, ist so etwas wie ein Herzensprojekt. Und auch ein Nachruf, denn im Mai 2013 ist Graubner gestorben. Schon als Kind, so vermutet Tilman Urbach, habe er an der Seite seines Vaters bei Ausstellungsbesuchen Graubners Malerei kennengelernt. Und nie hat sie ihn losgelassen. Den ersten Kontakt zum Künstler gab es 2008. Nicht zuletzt wegen der angegriffenen Gesundheit des Finders der Kissenbilder (nicht der Erfinder, wie er selbst im Film betont) hat sich das Filmprojekt über Jahre gezogen.

Der Graubner-Film ist entstanden, "weil wir es wollten", sagt Urbach. Dafür hat er (bisher) eigenes Geld in die Hand genommen und ist immer noch dankbar für den Enthusiasmus seines Teams. Dieses ist eine feste Größe in seiner Arbeit, denn Urbach ist zwar Regisseur und Ideengeber, bei den Dreharbeiten auch dabei, aber er arbeitet mit "ausgesuchten Menschen, die mir die Blicke liefern, die ich suche", sagt er. Auch bei Filmen in seinem Brotberuf als fester freier Mitarbeiter des BR. Für seine Filme - ob über William Turner oder Raoul Schrott - ist er viel viel unterwegs, aber München ist seine Basis.

Zudem schreibt Urbach immer noch, für die Neue Zürcher Zeitung, aber auch Bücher und Essays. Irgendetwas aufgeben zu müssen - "das kann ich mir nicht vorstellen", sagt er. Und so arbeitet er auch schon wieder an einem neuen Film. Über Josef Urbach, dessen Arbeiten von den Nazis als "entartet" eingestuft wurden, und für den er Nachkommen jüdischer Sammler-Familien besucht.

Info "Farb-Raum-Körper", Bambi Düsseldorf, Klosterstr. 78, 3. September, 19 Uhr

Quelle: NGZ
 
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