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Neuss
Alte Post: Jazzige Klangfarben am Neusser Abendhimmel

Neuss. Gegen 21 Uhr hat die Jazzsommernacht ihren Zenit erreicht. Jo Beyer zählt den Eröffnungssong "Villeroy & Boch" seiner Band JO an. Ein rhythmisches Nicken des Schlagzeugers. Dann folgen Roman Babik (Klavier), Andreas Wahl (Gitarre) und Christoph Moeckel (Tenorsaxophon) dem Groove auf eine irrwitzig-musikalische Stampede - und treiben gemeinsam einem der musikalischen Höhepunkte des Abends entgegen. Von Jens Krüger

Das Kulturforum Alte Post hatte am Samstag zur Neusser Jazzsommernacht an die Neustraße geladen. Und nachdem um 18 Uhr auf dem Vorplatz (Philipp Wisser Trio, Los Pipoldios) und im Garten (Maja Quartett) der Abend gestartet war, eröffneten JO im großen Saal den Hauptteil.

In einem breiten "U" sitzt das Publikum dort ganz nah an der Band. Und so konnten die Zuschauer Jo Beyer am Schlagzeug bei der Arbeit zuschauen. Das machte Eindruck. Wie von einer Dampfmaschine angetrieben saß Jo Beyer auf seinem Hocker und bearbeitete filigran und variantenreich seine Drums. Jo Beyer ist JO - Schlagzeuger, Songwriter, Bandleader. Musikalisch oszillierte der Sound des Quartetts zwischen Fusion, 70er-Progrock und Filmsoundtrack. Doch unternahm die Band immer wieder auch Ausflüge in zeitgenössische Jazz-Gefilde.

Mehrere Gänge schaltete danach die 25 Jahre alte Sängerin Inez Schäfer zurück. Klar ist: Die Halbschweizerin mit jüdischen, holländischen und italienischen Wurzeln hat Charisma. Mit einer klaren, hohen, dann wieder brüchigen Stimme mäandert sie durch Songs wie "Never ending story". Ein Lied über die Schwierigkeiten des Morgens-aus-dem-Bett-Kommens, das sich auch als Untermalung für einen Quentin Tarantino-Film eigenen würde. Wie in Trance, die Augen geschlossen, wirft sich Inez Schäfer in jeden Ton, meist sparsam und zurückhaltend begleitet von Demian Kappenstein (Schlagzeug), Christian Papst (Piano), Matthias Kurth (Gitarre) und André Nendza, der die Songs mit seinem druckvollen Bassspiel zusammenhält.

Den Abschluss des Abends bestritten schließlich Jnana um die Klaviervirtuosin Laia Genc und den Saxofonisten Johannes Lemke. Fragil und intim - so lässt sich wohl am besten beschreiben, was das Duo vor den verbleibenden 100 Zuhörern auf die Bühne brachte. Mit manchmal indischem Einschlag, rhythmisch oftmals vertrackt, setzten sie dem gelungenen Abend ein adäquates Ende.

Für Philipp van Endert steht jedenfalls schon jetzt fest: "Die Jazzsommernacht wird es auch im kommenden Jahr geben." Seit über zehn Jahren organisiert der Jazz-Gitarrist, der im Mokka-braunen Anzug und mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck die Bands ansagte, die Reihe. "Uns ist es wichtig, einen Neuss-Bezug zu haben", sagt er. So stand mit Philipp Wisser einer seiner ehemaligen Schüler im Vorprogramm auf dem Vorplatz der Alten Post, und tupfte - begleitet von Richard Eisenbach am Bass und Hanno Poths am Schlagzeug - mit seiner halbakustischen E-Gitarre vielfarbige Töne in den Abendhimmel.

Quelle: NGZ
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