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Serie Neuss Und Seine Stadtteile
Am Gohrer Berg treffen sich Zukunft und Vergangenheit

Serie Neuss Und Seine Stadtteile: Am Gohrer Berg treffen sich Zukunft und Vergangenheit
Ingo Stolz hält den eiszeitlichen Steilhang südlich von Hoisten für einen der schönsten Orte im Kreis. FOTO: woi
Neuss. Die Steilkante südlich von Hoisten, die Nieder- und Mittelterrasse trennt, gehört aus Sicht der Geologen zu den fundreichsten Gebieten im Kreisgebiet. Sie ist aber auch ein Anziehungspunkt für Erholungssuchende. Von Christoph Kleinau

Hoisten Für Ingo Stolz ist der Gohrer Berg nicht nur ein Naturdenkmal, sondern "einer der schönsten Orte im Rhein-Kreis" - und besonders schützenswert. "Es gibt in Neuss wenige Naturdenkmäler, die so identitätsstiftend sind wie der Gohrer Berg", sagt Stolz, denn mit ihm "hänge die Geschichte unserer Dörfer zusammen".

Eine ausgeprägte Geländekante, vor etwa 12.000 Jahren vom nacheiszeitlichen Schmelzwasser-Rhein modelliert, trennt noch heute die so genannte Niederterrasse im Flusstal von der Mittelterrasse und dem Gohrer Berg. Diese Terrassenkante in einer ansonsten völlig ebenen niederrheinischen Landschaft, die besonders deutlich zwischen Hoisten und Rosellen zu sehen ist, ist als "morphologische Leitlinie" aber nicht nur für Geologen interessant. (Hobby)-Archäologen wie Ingo Stolz wissen vielmehr, dass diese Gegend zu den fundreichsten im ganzen Rhein-Kreis gehört. "Das geübte Auge findet am Fuß dieser Kante und auf den abgeernteten Feldern oberhalb Hinterlassenschaften der Sammler und Jäger aus der Jungsteinzeit und Siedlungsreste der römischen Epoche", zählt Stolz auf, der selbst einige solcher Relikte in seinem Besitz hat. Vor Jahren gründete er mit Zustimmung der Archäologen in der Stadtverwaltung einen "Feldbegehungsclub", der auch rund um den Gohrer Berg, der schon in römischer Zeit besiedelt gewesen sein muss, historische Hinterlassenschaften suchte - und tatsächlich fand.

Die Terrassenkante, die zum Teil auch die Stadtgrenze mit Grevenbroich markiert, zieht aber auch Erholungssuchende an. "Häufig sind Radfahrer anzutreffen, die den uralten Hohlweg durch den Hang nutzen und dann von oben die Aussicht genießen", sagt Stolz. Dass ihnen dort nun auch die Masten der beiden Windkraftanlagen regelrecht ins Auge springen, nimmt er gelassen: "Zukunft trifft Vergangenheit."

Quelle: NGZ
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