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Neuss
Anwohner fordern Video-Überwachung

Neuss: Anwohner fordern Video-Überwachung
Die Polizei rückte mir mehreren Einsatzwagen aus. FOTO: Anwohner
Neuss. Im Marienviertel geht wegen der Drogenszene weiterhin die Angst um. Am Donnerstagabend musste die Polizei erneut ausrücken. Anwohner fordern nun den Einsatz von Kameras. Ein Vermieter sieht sich zu Umbaumaßnahmen genötigt. Von Simon Janssen

Drogendeals und -konsum auf offener Straße, massive Beleidigungen, Drohungen, eingeschlagene Schaufensterscheiben und Fäkalien vor der Haustür: Anwohner im Marienviertel haben genug von den Zuständen, die sie täglich miterleben. Bei einem Runden Tisch mit der NGZ-Redaktion wurde deutlich - rund um den Marienkirchplatz leben viele in Angst. Und das trotz regelmäßiger Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt.

Erst am Donnerstagabend wurden die Einsatzkräfte wegen einer Schlägerei zwischen mehreren Jugendlichen an der Krefelder Straße alarmiert. Aufgrund der unterschiedlichen Angaben über die Anzahl der Personen wurden mehrere Streifenwagen entsandt. Vor Ort schilderten Zeugen, dass es insbesondere zwischen zwei Personen zu einem Streit gekommen sei. Das teilte die Polizei gestern mit.

Am Donnerstagabend kam es an der Krefelder Straße zu einem Streit zwischen mehreren Jugendlichen. FOTO: Anwohner

Wie ein Augenzeuge unserer Redaktion mitteilte, sei einem jungen Mann Pfefferspray in die Augen gesprüht worden. Im Anschluss sei er in die wenige Meter entfernte Stadtschänke gelaufen, um sich die Augen auszuwaschen. Eine weitere Augenzeugin berichtete im Gespräch mit unserer Redaktion: "Ein paar Minuten später lief der Mann mit einem langen Küchenmesser an mir vorbei und rief: ,Ich steche euch alle ab'".

Laut Polizei konnten die Kontrahenten vor dem Eintreffen der Beamten fliehen. Eine Fahndung nach dem in Streit geratenen Duo verlief ohne Erfolg. Zu der Beschreibung der beteiligten Personen liegen der Polizei widersprüchliche Angaben vor. Die Ermittlungen dauern an.

Bewohner eines Hauses in dem Gebiet, wo sich die Szene fast täglich trifft, sind besonders betroffen von den Zuständen. Dort wohnen unter anderem drei alleinstehende Frauen. "Ich sehe und höre hier alles", sagt eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte." Nahezu jeden Abend lungerten die verdächtigen Personen auf der Treppe vor der Eingangstür. "Oft trauen wir uns gar nicht mehr nach Hause. Eine Nachbarin übernachtet schon gar nicht mehr hier", sagt sie. Manchmal, wenn sie aus dem Fenster blickt, bekomme sie von den jungen Männern Handküsse zugeworfen. "Oft klingeln sie auch", sagt sie. Fäkalien, leere Alkoholflaschen und Drogenutensilien im Eingangsbereich seien ein fast tägliches Bild. Sie und weitere Mitglieder der im vergangenen Jahr gegründeten Anwohnerinitiative haben sich nun für den Einsatz von Überwachungskameras rund um den Marienkirchplatz sowie für ein Alkoholverbot in Bahnhofsnähe ausgesprochen. "Auch, wenn wir wissen, dass das nur schwer zu realisieren ist", sagen sie.

Der Vermieter des Hauses, Gerd Ohren, sieht sich deshalb zu drastischen Schritten genötigt. Er brachte jetzt eine Funksirene an das Haus an, die per Fernbedienung ausgelöst werden kann. "Damit können die Personen für kurze Zeit vertrieben werden", sagt er. Zudem wird Ohren die Tür zum Haus weiter nach vorne versetzen, damit man sich nicht mehr auf die Stufen setzen kann. Ohren ist auch Vermieter einer unweit entfernten Mode-Boutique. Erst vor wenigen Wochen sei dort eine Seitenscheibe eingeschmissen worden. "Der Boden ist kaputt, und auch die Tür ist beschädigt", sagt er. Darum sieht er sich gezwungen, den Eingangsbereich zur Boutique zu vergittern. Zusammengerechnet kosten ihn die Maßnahmen nach eigenen Angaben gut 15.000 Euro. Zeitschalt-Lampen rund um das Haus habe er ebenfalls anbringen lassen.

Auch die Inhaberin der Stadtschänke sprach beim Runden Tisch über ihre Erlebnisse. Bei einem Vorfall seien Gäste unter anderem mit Nagelbrettern bedroht worden. Die jungen Männer hätten zudem in die Kneipe gespuckt. Von einer Person sei sie zudem - nachdem sie ihr Hausverbot erteilte - bedroht worden. "Du weißt nicht, was ich mit dir anstellen werde", habe er gesagt.

Hinweise auf die Identität der beiden Beteiligten, die am Donnerstagabend aneinandergeraten sind, werden unter 02131 3000 entgegengenommen.

Quelle: NGZ
 
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