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Neuss
Anwohner gegen bauliche Verdichtung

Neuss. Eine Unterschriftensammlung im Lukasviertel soll die Stadtverwaltung unter Druck setzen. Von Kilian Treß

Ihnen reicht's. Bewohner des Lukasviertels machen jetzt mobil und untermauern ihre Forderung, die "Wohnblockbebauung" um die Kneippstraße im Lukasviertel einzustellen, mit einer Unterschriftensammlung. "Durch die riesigen Neubebauungen hier wird der Charakter unserer Siedlung völlig zerstört", erklärt Karl-Heinz-Bemer die Initiative. Genauer geht es um die Straßen Sauerbruch-, Kneipp-, Mendel-, Felke- und Preußenstraße.

Bemer und seine Nachbarin Petra Müller sind die Initiatoren der "Interessengemeinschaft Sauerbruchstaße" und erhalten dieser Tage großen Zuspruch der Anwohner.

Ende März wurden zum einen Jahrzehnte alte Bäume im Viertel abgeholzt, die zuvor Verkehrslärm von Autobahn und Konrad-Adenauer-Ring "schluckten". Zudem bemängeln sie, dass der Bauherr mit der Errichtung von Doppelhäusern gegen den Bebauungsplan 16/04 aus dem Jahr 1965 verstoße. Der besage, dass lediglich eine Bebauung von Einzelhäusern in dem Viertel erlaubt ist. "Hier wird getrickst", sagt Bemer.

Die großen mehrstöckigen Doppelhäuser, die jetzt nach und nach hochgezogen wurden, würden zudem die Altbebauung wie "Puppenstuben" erscheinen lassen, was den Wert der Eigenheime erheblich mindere, klagen Bemer und Müller. Baudezernent Christoph Hölter kann die Kritik nicht verstehen. "Zwei Klagen sind bereits vor Gericht gescheitert", sagt er und betont. "Aus unserer Sicht sind die Baugenehmigungen alle rechtens." Der Bau werde regelmäßig von Sachverständigen bei Terminen geprüft.

Zwei voneinander unabhängige Fachanwälte dagegen untermauern die Zweifel der Anwohner. Sie haben die Bebauung geprüft und geben der Interessengemeinschaft Recht. Ein Urteil eines Fachanwalts für Baurecht, das unserer Zeitung vorliegt, besagt, dass die Errichtung von Doppelhaushälften im Viertel unzulässig sei. "Im Ergebnis verstößt das Bauvorhaben ... gegen die Festsetzung, wonach nur Einzelhäuser zulässig sind."

Bemer und Müller kündigen in einem Schreiben bereits weitere Schritte an, sich gegen die Bebauung zu wehren. Darin appellieren Bemer und Müller an die Nachbarn, "bei einem eventuellen Verkauf ihrer Immobilie zunächst einmal nach solventen Käufern in der Nachbarschaft zu suchen", bevor ein Immobilienhai gleich mit der Abrissbirne käme.

Quelle: NGZ
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