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Rhein-Kreis Neuss
App "Wegeheld" zeigt Falschparker an

App "Wegeheld" zeigt Falschparker im Rhein-Kreis Neuss an
Mit der App "Wegeheld" können Fälle von Falschparken öffentlich gemacht werden. Für den Rhein-Kreis Neuss sind die Daten allerdings veraltet. FOTO: Screenshot www.wegeheld.org
Neuss. In der Erftstraße parkt ein Auto auf dem Fahrradweg, am Jahnstadion hat jemand seinen Wagen im absoluten Halteverbot abgestellt. Die App "Wegeheld" stellt Falschparker im Internet an den Pranger - mit genauer Ortsangabe, Uhrzeit und Foto. Die Daten für den Rhein-Kreis sind allerdings veraltet. Von Laura Sandgathe

Gut möglich, dass auf der Erftstraße kein Parkplatz mehr frei war. Merkt bestimmt keiner, wenn ich mein Auto hier parke, mag sich der Fahrer vielleicht gedacht haben, als er am Morgen des 30. November 2015 seinen Wagen auf dem Fahrradweg abstellte. Falls er so gedacht hat, hat er die Rechnung vermutlich ohne die App "Wegeheld" gemacht.

Denn die App sammelt Daten über Falschparker und veröffentlicht sie im Internet. Auf einer interaktiven Karte werden die Fälle markiert, Datum, Uhrzeit und Adresse werden angegeben. In vielen Fällen steht auch ein Foto dabei, auf dem das falsch geparkte Auto zu sehen ist. Der Nutzer kann die Karte unter anderem nach Zeit, Postleitzahl oder Fahrzeugmarke filtern. Außerdem kann man sich anzeigen lassen, welches Bußgeld der Falschparker hätte zahlen müssen, wäre es zu einer Anzeige gekommen.

Daten für den Rhein-Kreis sind veraltet

Die Daten der App kommen von den Nutzern. Mitmachen kann jeder, der einen der Verkehrssünder erwischt: Über die App wählt man den Standort und die Kategorie sowie das Fahrzeug aus, das falsch geparkt wurde. Wer will, kann dann noch ein Foto hochladen - und schon wird das falsch abgestellte Auto auf der interaktiven Karte der App angezeigt. Als voreingestellte Kategorien gibt es unter anderem "Fahrzeug auf Radweg", "Fahrzeug vor Feuerwehreinfahrt", "Fahrzeug auf Behindertenparkplatz" und einige weitere. Aus der App heraus kann auch direkt eine Nachricht ans Ordnungsamt weitergeleitet und so auf den Falschparker hingewiesen werden.

Für den Rhein-Kreis Neuss sind die bei "Wegeheld" gesammelten Daten allerdings stark veraltet und deshalb für die aktuelle Situation kaum aussagekräftig. Zwar werden recht viele Fälle aus den Jahren 2014 und 2015 angezeigt, im Jahr 2016 wurde aber erst ein Vorfall gemeldet: Am 10. Februar parkte ein Wagen eine Einfahrt am Suitbertusweg 17 in Neuss zu. Für Düsseldorf und Mönchengladbach gibt es dagegen aktuelle Daten.

"Wegeheld" als Form des öffentlichen Anschwärzens?

Die App lebt vom Engagement ihrer Nutzer. Der Dienst ist seit zwei Jahren aktiv und hat nach eigenen Angaben bundesweit rund 35.000 aktive Nutzer. Im Rhein-Kreis gibt es allerdings allem Anschein nach nur wenige, die über die App Falschparker veröffentlichen. Die App ist umstritten, Kritiker bezeichnen das Hinweisen auf Falschparker als öffentliches "Anschwärzen". Rein rechtlich gesehen ist dies aber unproblematisch, solange auf den über die App veröffentlichten Bildern das Kennzeichen und möglicherweise fotografierte Personen unkenntlich gemacht werden. Darauf weist "Wegeheld" seine Nutzer extra hin.

Initiiert wurde die App, die von der "Agentur für clevere Städte UG" angeboten wird, von Heinrich Strößenreuther, der sich unter anderem bei Greenpeace und als Referent im Deutschen Bundestag für den Umweltschutz engagierte. Als ehemaliger Manager bei der Deutschen Bahn und mehrerer Bus- und Bahnunternehmen ist Verkehr eines seiner Steckenpferde. Mit der App "Wegeheld" wollen er und seine Mitstreiter "aktiv in den Flächenkonflikt zwischen falschparkenden Autofahrern und allen anderen Verkehrsteilnehmern" eingreifen, wie es auf der Homepage von "Wegeheld" heißt. Es gehe um die Sicherheit im Straßenverkehr, vor allem für Radfahrer und Fußgänger. Geld verdiene Stößenreuther mit der App nicht.

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