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Neuss
Arbeitsplatz Kunst: Künstler öffnen Ateliers an Uhlandstraße

Neuss. Zu Gast bei Heribert Münch, Zbyszek Gula, Ernst G. Herrmann, Viktor Nono, Dennis Oswald, Jürgen Zaun, Ralf Gemein Von Rudolf Barnholt

Neuss Wer möglichst viele Künstler an einem Ort sehen wollte, kam am Atelierhaus Hansastraße und am Atelierhaus Uhlandstraße nicht vorbei. Im Haus Uhlandstraße 20 gewährten die sechs dort arbeitenden Künstler und ein siebter als Gast im Rahmen der Aktion "Arbeitsplatz Kunst" am Samstag einen Einblick in ihre Arbeit. Aber die Hinterhofateliers lockten die Besucher auch wegen ihres ganz besonderen Charmes.

Wo zuletzt Pumpen produziert wurden, gedeiht seit langer Zeit die Kunst. Genauer gesagt: Seit 29 Jahren. Heribert Münch erzählte den Besuchern: "Ich habe dieses Atelierhaus damals mit gegründet." Die alte Fabrikhalle bietet sehr viel Licht, hat aber auch Schwachstellen. "Im Winter ist das Atelier kaum zu beheizen", sagt der 59-Jährige.

Was ihn zuletzt als Malmotiv gereizt hatte, war ein Foto aus dem Jahr 1938. Das Motiv - ein Blick über den Rhein auf das Neusser Münster an einem offenbar sehr düsteren Tag - hat ihn zu mehreren teils sehr großformatigen Bildern animiert. Münch malte mit Ei-Tempera-Farben aus eigener Herstellung.

Der Spitzweg-Charme mit alten Öfen und ärmlicher Anmutung war die eine Sache, die andere der Künstler selbst. Zbyszek Gula zeigte die unterschiedlichsten Exponate: Da rankte organisch Wirkendes aus Glasplättchen in den Raum, Tonarbeiten und Malerei zeichneten insgesamt eine bizarre Welt. Versteht sich der Künstler als Maler oder als Bildhauer? "Schreiben Sie einfach Genie oder sowas", schlägt Gula vor.

Ernst G. Herrmann reizt ebenfalls das Organische. In seinem Atelier war ein großer, alter Schildkrötenpanzer zu bewundern - er bildet die Grundlage für Abgüsse. Die Statik dieses Gebildes fasziniert ihn. Herrmann hat aber auch viel gezeichnet: Organische Systeme, die an ein Nerven-Geflecht erinnern.

Organische Formen zeigt auch Viktor Nono, und zwar erstmals in Form von Hinterglasmalerei. Dazu Holzstämme, mit der Kettensäge als Plastiken in Form gebracht.

Dennis Oswald war mit Fotos vertreten. Hört sich vielleicht wenig spektakulär an, war es aber doch: Oswald ist ein Storm-Chaser, einer, der dort seine Motive findet, wo sich ein Unwetter zusammenbraut. Fast alle seine natur-gewaltigen Aufnahmen sind in den USA entstanden.

Bedrohlich wirken auch die Steine, denen Jürgen Zaun offenbar das Schwere nimmt. Sie sind bei seinen Skulpturen meistens da, wo man sie nicht vermutet, nämlich oben.

Ralf Gemein, der als Gast ausstellen durfte, registrierte diesmal eine geringere Resonanz. Die abstrakten Formen auf seinen Bildern wirken mitunter holzschnittartig, die Muster sind häufig unendlich wiederholbar.

Quelle: NGZ
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