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Neuss
"Arbeitstiere" im Neusser Hafen

Fotos: Hafen Neuss - das sind deine "Arbeitstiere"
Fotos: Hafen Neuss - das sind deine "Arbeitstiere" FOTO: Woitschützke, Andreas
Neuss. Auf den Gleisen und unter den Krananlagen tun Rangiergeräte ihren Dienst. Sie gehören zu den schmuck- und namenlosen Fahrzeugen im Hafen. Von Christoph Kleinau (Text) und Andreas Woitschützke (Fotos)

"Tele-Trac 9" ist ein unscheinbarer Grobian. Das Auffälligste an dem kastenförmigen Monstrum auf Eisenbahn-Achsen ist noch die himmelblaue Farbe. So schlicht ist der Apparat, dass es sich fast verbietet, ihm einen (Kose)-Namen zu geben. Aber Erik Hoogstra liebt das Ding. "Der ist immer im Einsatz - und funktioniert auch immer", lobt der Hafenmeister der Rheincargo den Kasten, der den Titel Lokomotive nicht führen darf. "Rangiergerät" heißen er und seinesgleichen nur - und viel mehr wird auch von ihnen nicht verlangt. Ihre kleine Welt endet an den Hafengrenzen.

"Fels", eines dieser sechs Rangiergeräte, ist am Hafenbecken I im Einsatz. Mit Schichtbeginn hat Kranführer Axel Kordel das Fahrzeug angeworfen, das halb Lok, halb Auto ist. Nun brummt der Dieselmotor im Leerlauf, während "Fels" ruhig darauf wartet, die Reihe der Kesselwagen ein Stückchen weiter zu schieben. Sein Fahrerstand bleibt leer, die Befehle bekommt das Arbeitsgerät per Fernsteuerung vom Kranführer, für den der Verladejob eine Geduldprobe ist. Bis zu einer Stunde dauert es, bis das Öl aus einem Waggon abgepumpt ist. "Bei Kälte wird es zähflüssiger", sagt Kordel - und schiebt mit seinem Rangiergerät den nächsten Wagen an die Entladestelle.

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So brummt "Fels" Stunde um Stunde vor sich hin. Doch anders als "Tele-Trac 9", der die Gleise bei der Erzverladung am Hafenbecken III seit Jahren nicht verlassen hat, werden "Fels" mitunter andere Einsatzorte zugewiesen - auch in Düsseldorf. Den Weg dorthin legt er als eines von zwei sogenannten Zweiwegefahrzeugen in der Staffel dann mit Vollgummireifen und mit eingezogenen Bahn-Achsen über die Straße zurück. "Abgegleist" heißt das im Eisenbahnerdeutsch. Dabei kann das Rangiergerät schon Respekt einflößen: Hoch wie ein Lastwagen und 25 Tonnen schwer, sind es vor allem die Puffer des höchstens 25 Stundenkilometer schnellen Fahrzeugs, die andere Verkehrsteilnehmer zu Abstand mahnen. Und auch der Wendekreis ist enorm.

Neuss - Sightseeing in Bildern FOTO: Andreas Woitschützke

"Für diese Fahrten reicht Führerscheinklasse drei", klärt Horst Herten aus der Lokwerkstatt der Rheincargo an der Heerdterbuschstraße auf. Anders als die anderen Rangiergeräte brauchen "Fels" und "Windhoff", das andere Zweiwegefahrzeug, daher eine Zulassung als Kfz - mit Nummernschild und regelmäßiger Hauptuntersuchung. Die namenlosen Tele-Tracs kommen ohne all das aus. Aber auch sie müssen im Schnitt alle 500 Betriebsstunden in die Lokwerkstatt für mehr oder weniger aufwändige Inspektionen.

In seinem Computer hat Herten die Betriebsblätter auch all dieser schmucklosen Arbeitstiere. Deren Dieselaggregate bringen kaum 200 Pferdestärken Leistung und erreichen auf Schiene auch kaum mehr als zehn Stundenkilometer, Tempo - aber unbemannt und außer Kontrolle wäre auch das ein Problem. Die genaue Einweisung der Kranführer, die sich auch ohne Lok-Führerschein zumindest zeitweise wie Lokführer fühlen dürfen, ist deshalb Teil eines Sicherheitspakets, zu dem auch die Wartung der Fernsteuerung gehört. Die hat sogar eine Neigungsüberwachung und bremst den Zug automatisch, falls der Mann mit der Fernsteuerung umfallen sollte.

Die Krananlagen, Winden oder gar Radlader zu benutzen, um Waggons in die Reichweite der Verladeeinrichtungen zu rangieren, ist verboten. "Das sieht man höchstens woanders", sagt Hoogstra.

Quelle: NGZ
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