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Neuss
Arzt schlägt Alarm: Flüchtlinge benötigen Rezepte

Neuss. Hermann-Josef Verfürth (66) ist sauer. "Wir sollen behandeln", schimpft der angesehene Mediziner, "aber die entsprechenden Medikamente stehen nicht zur Verfügung." Jetzt schlägt Verfürth, der seit drei Jahren als Arzt im ehemaligen Neusser St.-Alexius-Krankenhaus Flüchtlinge medizinisch betreut, in einem "offenen Brief" an die zuständigen Landesministerien und die Bezirksregierung Arnsberg Alarm: "Wir Ärzte verlangen ein Umdenken der Verantwortlichen, da eine Versorgung der Patienten gefährdet erscheint." Viele Kollegen, die sich wie er freiwillig in der Flüchtlingshilfe engagieren, würden "unter diesen Bedingungen" überlegen, ihre Arbeit aufzugeben. Von Ludger Baten

Dass der als besonnen bekannte Verfürth derart emotional reagiert, hat einen Grund: Seit dem 1. Dezember gibt eine Anordnung der zuständigen Behörden vor, dass nicht verschreibungspflichtige Medikamente den Asylsuchenden nicht länger auf Rezept verordnet werden dürfen. Diese Arzneimittel müssen von den Flüchtlingen seit Anfang des Monats in den Apotheken gekauft werden. Nach Auffassung des Neusser Arztes ist dieses Experiment bereits nach wenigen Tagen gescheitert: "Bei Asylbewerbern, die sich in den Erstunterkünften nur wenige Tage aufhalten und zum Beispiel in Neuss nur dienstags 30 Euro Taschengeld erhalten, ist diese Maßnahme nicht durchführbar und nicht sinnvoll." Unter die neue Verordnung fallen vor allem Medikamente gegen Durchfall, Allergie, Läuse und Erkältung.

Hermann-Josef Verfürth hat bald nach Einzug der ersten Flüchtlinge in die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) im "Alex" gemeinsam mit weiteren Ärzten den freiwilligen, aber honorierten Dienst aufgenommen. Bis zu 30 Patienten besuchen seine dreieinhalbstündigen Sprechstunden: "Durchweg sympathische Menschen."

Für die Erstversorgung in Massenunterkünften wäre es nach Ansicht von Verfürth "sinnvoll, in der Sanitätsstation einen Vorrat rezeptfreier Medikamente vorrätig zu halten, die den Patienten ausgehändigt und in Landessprache erklärt werden können".

Quelle: NGZ
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