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Serie Mit Dem Jugendamt Von Fall Zu Fall
ASD greift bei Krisen in der Familie ein

Serie Mit Dem Jugendamt Von Fall Zu Fall: ASD greift bei Krisen in der Familie ein
Ursula Gondorf ist seit 31 Jahren beim Jugendamt der Stadt Neuss beschäftigt. Sie ist froh, dass es in der Zeit keinen Fall gab, wo Kinder durch Misshandlungen zu Tode gekommen sind. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) sind vielfältigen Belastungen ausgesetzt. Nicht jeder hält das aus. Trotzdem ist die Fluktuation zurückgegangen. Denn das Team wird unterstützt und ist nie ohne Erfolgserlebnisse. Von Bärbel Broer

Neuss Wenn Schicksale von misshandelten und verwahrlosten Kindern bekannt werden, die gestorben sind, dann stehen die Jugendämter schnell am Pranger. "In Neuss ist zum Glück noch nie ein derartiger Fall passiert", sagt Abteilungsleiterin Ursula Gondorf, die seit 31 Jahren im Jugendamt der Stadt Neuss arbeitet.

Ein Grund mag sein, dass das städtische Jugendamt gut aufgestellt ist: Alle Stellen sind besetzt, die 38 Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) bilden eine altersgemischte Gruppe mit unterschiedlichen Berufserfahrungen - darunter nicht nur Sozialarbeiter und -pädagogen - und die Stadt Neuss passt die Jugendhilfeausgaben, die sich mittlerweile auf 20 Millionen Euro im Jahr belaufen, den aktuellen Bedürfnissen an.

Dennoch sei der Druck auf die Mitarbeiter immens, gibt Gondorf zu. Zum einen liege dies an den hohen psychischen Belastungen, die der Job mit sich bringe. Zum anderen gebe es Druck von außen: "Als Jugendamt machen wir entweder zu viel oder zu wenig. Diesem Vorwurf sind wir häufig ausgesetzt", sagt Gondorf.

Nicht jeder Mitarbeiter hält diesem Druck stand. Gewalt in Familien, Verwahrlosung von Kindern, überforderte Eltern und dann auch noch Unverständnis in der Öffentlichkeit - die Bandbreite der psychischen Belastungen für die Mitarbeiter sei groß. "Das hält nicht jeder aus und wirft dann auch das Handtuch", so Gondorf. Doch die Fluktuation an Mitarbeitern im Jugendamt sei deutlich zurückgegangen. Das liege auch daran, dass sich das Jugendamt intern um die "Psychohygiene" der Mitarbeiter kümmere. Einmal pro Woche treffen sich alle zur gemeinsamen Teamsitzung. Dann ist Zeit, gemeinsam bestimmte Fälle zu besprechen, sich Rat zu holen oder einfach mal das Herz auszuschütten. "Außerdem kommen regelmäßig externe Supervisor in unser Team", erklärt Gondorf. Auch Einzelcoachings seien möglich. Gondorf: "Ich ermuntere alle bei uns, sich zu öffnen."

Sie wehrt sich aber auch gegen den Eindruck, die Arbeit im Jugendamt sei ausschließlich problembelastet. "Ich habe 20 Jahre lang im operativen Bereich gearbeitet und diese Arbeit habe ich immer gerne gemacht", sagt sie. Denn es bereite auch viel Freude, in Familien Veränderungsprozesse anzustoßen, Menschen zu unterstützen sowie Kindern und Jugendlichen zu helfen. "Hier haben wir natürlich auch unsere Erfolgserlebnisse, die sehr zufrieden machen können", so Gondorf.

Entscheidend sei, dass man Menschen so annehmen könne, wie sie eben sind. "Wenn ich mit jemandem zu tun habe, der nur drei Zähne hat, und in seinem ganzen Leben bestimmt noch nie im Theater war, muss ich ihn so akzeptieren können", sagt sie. Ohne dieses positive Denken und ein gewisses Maß an Toleranz, Empathie und Flexibilität sei der Job nur schwer auszuhalten. "Zudem sollten Mitarbeiter im Jugendamt kommunikativ und offen sein. Auch müssen sie Selbstsicherheit ausstrahlen. Denn nicht selten haben sie mit Menschen zu tun, die extrem schwierig sind und sehr massiv auftreten können", nennt sie weitere Voraussetzungen.

Wer diese Fähigkeiten mitbringe, könne auch dem Druck der täglichen Arbeit besser standhalten. Gondorf: "Außerdem ist es eine herausfordernde, abwechslungsreiche Tätigkeit. Langeweile kommt bei uns nie auf."

Quelle: NGZ
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