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Neuss
Auf Napoleons Spuren

Neuss: Auf Napoleons Spuren
Trotz Regens war der Andrang beim Ortstermin groß. FOTO: Woitschützke Andreas
Neuss. Das sanierte Epanchoir war gestern Gesprächsthema bei der Mobilen NGZ-Redaktion. Dabei ging es auf Reise in die Franzosenzeit. Von Andreas Buchbauer

Wenn selbst Google nicht so richtig weiter weiß, dann wird die Spurensuche richtig spannend. Mehr als 70 Teilnehmer begaben sich gestern bei der Mobilen NGZ-Redaktion am Epanchoir auf eine Zeitreise in die Franzosenzeit - und staunten über die vielen Details, die Vorsitzender Christoph Napp-Saarbourg und sein Stellvertreter Klaus-Karl Kaster vom Förderverein ("Freunde und Förderer des historischen Nordkanals in Neuss") erklärten. Schon beim Namen fängt es an: Gleich mehrfach wurde die Frage gestellt, was Epanchoir denn eigentlich bedeute. "Ein Kunstwort", erklärt Christoph Napp-Saarbourg. "Es stammt vom lateinischen expandere, was soviel heißt wie ausbreiten, erweitern." Und erweitert wurde zu Napoleons Zeit mit dem Stauwehr an jener Stelle, an der sich Nordkanalallee und Obererft kreuzten, ganz schön etwas.

Mit dem Nordkanal von Neuss nach Venlo wollte Napoleon eine schiffbare Verbindung zwischen Rhein und Maas schaffen. Ab Venlo sollte es dann weiter nach Antwerpen gehen. Fertiggestellt wurde das Großprojekt zwar nur in Teilen. Aber auf einer Strecke zwischen Neuss und Neersen fuhren zeitweise Schiffe. "Das belegen Ladeprotokolle und Fahrkarten, die erhalten sind", sagt Napp-Saarbourg. Die Größe des im frühen 19. Jahrhunderts vorangetriebenen Baus, der als Meisterwerk französischer Ingenieurskunst gilt, beeindruckt nach wie vor. "Der Kanal hatte 22 Meter Breite - ganz schön viel Wasser", betont Napp-Saarbourg. Das auf Initiative des Fördervereins für rund 1,3 Millionen Euro rekonstruierte Epanchoir, das bald fertiggestellt ist und geflutet werden kann, erinnert an der Ecke Nordkanalallee/Selikumer Straße daran.

In zwei Gruppen ging es ganz nah an das Epanchoir heran. Die rekonstruierte Wasserkreuzung von Obererft und Nordkanal erinnert an Napoleons Nordkanal-Pläne. Der französische Kaiser ließ das Epanchoir 1809 erbauen. FOTO: woi

Die technischen Feinheiten erklärte Klaus-Karl Kaster gestern bei einer Begehung, bei der er auch den Bauzaun öffnete, so dass die Besucher ganz nah an das Becken herankamen. Dabei berichtete Kaster Wissenswertes über die beeindruckende technische Leistung, die einerseits den für den Schiffsverkehr erforderlichen Wasserspiegel sicherstellte und andererseits dafür sorgte, dass die Neusser Öl- und Mehlmühlen ohne Unterbrechung mit Erftwasser versorgt werden konnten. "Geniale Ingenieurskunst", sagt Kaster.

Im Gespräch mit NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten ging es nicht nur um Historisches, sondern auch um die Bedeutung des Bauwerks in der heutigen Zeit sowie die Kosten für die Sanierung. Christoph Napp-Saarbourg betonte, dass am Anfang die Überzeugung stand, die Stadt habe da einen Schatz, den es zu bergen galt. "Das Epanchoir ist ein historisches Juwel, das brach lag", sagt der Fördervereinsvorsitzende. Mit der Sanierung werde ein wichtiges Stück Stadtgeschichte wieder sichtbar gemacht. "Wir reden in Neuss immer gern über die Römerzeit - aber die Franzosenzeit ist mit diesem technischen Denkmal auch von großer Bedeutung", erklärt Napp-Saarbourg. Napoleon sei schließlich selbst vor Ort gewesen, um sich vom Stauwehr am Nordkanal ein Bild zu machen. "Damit war einer der bedeutendsten Kaiser der europäischen Geschichte zu Gast in der Stadt." Das Kapitel französischer Geschichte in Neuss soll mit der Sanierung belebt werden. Dazu gebe es unter anderem bereits Gespräche mit Schulen in der Stadt.

Wegen des Regens gab es den Talk in der Cafeteria der Augustinus-Kliniken. FOTO: Woitschützke Andreas
Quelle: NGZ
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