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Neuss
Auf Tuchfühlung mit dem Job des Tischlers

Neuss: Auf Tuchfühlung mit dem Job des Tischlers
Werkstattlehrer Carsten Bongs (l.) und Tischlermeister Hellmut Pannenbecker (M.) schauen sich an, wie Dominic Pier arbeitet. FOTO: woi
Neuss. Im Berufskolleg für Technik und Information (BTI) haben Schüler aus dem Kreis an einem kostenfreien Workshop der Tischler-Innung teilgenommen. Die Jugendlichen testeten ihr Können und lernten den Job des Tischlers kennen. Von Elisabeth Keldenich

Mittagszeit im Berufskolleg für Technik und Information (BTI) in Neuss: Eine Gruppe Jugendlicher feilt, hobelt und schleift konzentriert an Fichtenbrettern. Eine andere brütet nebenan über Aufgabenbögen aus den Bereichen Mathe, räumliches Vorstellungsvermögen, technisches Grundverständnis, Rechtschreibung und Allgemeinwissen. 17 Schüler zwischen 15 und 17 Jahren nutzen die Möglichkeit, an einem kostenfreien Eignungstest der Tischler-Innung Rhein-Kreis Neuss teilzunehmen. "Wir bieten ihn seit zehn Jahren an", erzählt Tischlermeister Hellmut Pannenbecker. Er freut sich über die vielen Interessierten - früher kamen höchstens neun. "Für den praktischen Teil haben die Schüler 45 Minuten Zeit", sagt er.

Eine Textaufgabe und eine Zeichnung erläutern, wie das Brettchen gestaltet werden soll. "Wenn die Schüler alles richtig lesen und verstehen, können sie die Aufgabe lösen", erklärt Werkstattlehrer Carsten Bongs vom BTI. Nach Ende der Veranstaltung werden die Holzplatten der "thermischen Verwendung" zugeführt - sie werden schlicht verbrannt, erklärt der Pädagoge mit Augenzwinkern.

Dominic Pier (17) versucht, die Aufgabenstellung genau umzusetzen, wirft zwischendurch immer wieder einen Blick auf das Blatt und zieht konzentriert mit Lineal und Bleistift möglichst genaue Linien. Der Realschüler aus Kleinenbroich hat bereits diverse Praktika in Düsseldorfer und Kaarster Tischlereien absolviert. "Es hat großen Spaß gemacht, ich könnte mir eine Ausbildung in diesem Beruf vorstellen", sagt er.

Sein Klassenkamerad Max Höfler (16) hat das Ganze zunächst als "uncool" eingestuft und ist jetzt angenehm überrascht: "Ich finde es gut, dass so ein Test angeboten wird." Eine Ausbildung rückt auch für ihn in den Bereich des Möglichen. Vorteil des Tischlerns: Man sehe ein direktes Ergebnis. Diesen Eindruck bestätigt auch das einzige Mädchen: Die angehende Abiturientin zeigt sich sehr zufrieden mit dem Vormittag. "Das macht mir mehr Spaß als nur zu lernen", sagt sie und überlegt, ihre Kenntnisse später in der Entwicklungshilfe einzusetzen.

Klaus Harder, Studiendirektor und Abteilungsleiter der Bereiche Holz/Technik im BTI, korrigiert die Tests. Mathe sei immer das Problem, dabei gehe es nur um grundsätzliches Wissen wie Prozentrechnung und Dreisatz. Dafür seien technisches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit und das Erkennen von Zusammenhängen besser geworden. Das Nachsehen haben Flüchtlinge. "Ich habe drei in der aktuellen Klasse - sie sind gut integriert, aber die Fachsprache ist für sie sehr schwer", erklärt Harder. Dabei punkten sie in der Praxis: Sie sind es gewohnt, aus "Nichts" etwas zu machen.

Das zeigt sich an diesem Morgen auch bei Dakhil Sinoqasin. Der aus dem Irak stammende Flüchtling war dort Polizist. Der 30-Jährige versucht, anhand der Zeichnung die praktische Aufgabe zu lösen - die Theorie habe er aber gar nicht verstanden, so Harder. Am Schluss erhalten alle Teilnehmer ein Zertifikat - zwei oder drei finden sich am Ende tatsächlich wieder für eine Ausbildung am BTI ein.

Quelle: NGZ
 
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