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Ostern in Neuss
Auferstehung im Spiegel von Zeit und Kunst

Ostern in Neuss: Auferstehung im Spiegel von Zeit und Kunst
Die Darstellung der Auferstehung Christi ist in das Initial „B“ eingearbeitet. Die 14 Miniatur stammt aus einem Gesangbuch, das um 1500 in Gebrauch war. Das Blatt eines unbekannten Künstlers besteht aus Pergament, das mit Deck- und Goldfarben bemalt wurde. Es gehört zum Bestand der Populären Druckgrafik im Feld-Haus, der Dependance des Clemens-Sels-Museum auf der Raketenstation. FOTO: Clemens-Sels-Museum
Neuss. In allen Jahrhunderten haben sich bekannte und unbekannte Künstler ein Bild von der Auferstehung Jesu Christi gemacht. Das Clemens-Sels-Museum hat zahlreiche Darstellungen in seinem Bestand, die die Sichtweisen spiegeln – einige Beispiele zeigen das. Von Helga Bittner

Ungefähr zur Zeit der Karolinger, im achten Jahrhundert, als das Herrschergeschlecht der Franken auch über das Gebiet des heutigen Deutschlands regierte, änderten sich auch die Bilder zur Auferstehung Christi. "In den Jahrhunderten davor gab es auf den bildlichen Darstellungen meistens nur ein leeres Kreuz, ein leeres Grab oder das Leichentuch zu sehen", erklärt die Kunstwissenschaftlerin und Chefin des Clemens-Sels-Museum, Uta Husmeier-Schirlitz. Dem Gottessohn selbst als Figur, als Mensch gaben erst die Maler des Mittelalters Gestalt.

Da setzt auch die Sammlung des Neusser Museums ein. Vor allem mit der Sammlung der Populären Druckgrafik der früheren Museumsdirektorin Irmgard Feldhaus kamen viele Werke ins Haus, denn religiöse Bilder waren in früheren Jahrhunderten unverzichtbarer Wandschmuck in den Stuben. Die Passion schien zwar damals für die religiöse Erbauung eine größere Rolle zu spielen, aber auch das Auferstehungsthema taucht immer wieder. Gesangbücher, die Bibel sowieso, wurden mit Bildern bestückt, die religiöse Geschichten auch für die Menschen transportierten, die nicht lesen und schreiben konnten.

Das Ölbild hat der naive Künstlers Ondrej Steberl 1971 gemalt. Er beschränkt sich – im Umfeld wie in der Zahl der Personen, legt den Fokus auf einen Christus, der schon schwebt, aber gleichwohl beschützt in einer Höhle steckt. Der weibliche Zuschauer scheint das in einer Mischung aus Angst und Faszination zu erleben. FOTO: Clemens-Sels-Museum

Ein Beispiel dafür ist eine Auferstehungsszene aus einem Gesangbuch, das im 15./16. Jahrhundert genutzt wurde. Sie ist in ein großes "B" eingearbeitet und nach den Worten von Husmeier-Schirlitz in der Komposition ganz typisch. Da gibt es die schlafenden Wächter – bis auf den einen, der staunend sieht, was da passiert –, Christus, der in diesem Fall schon schwebt, das offene Grab und eine Landschaft (wohl ein Fantasieprodukt), in die alles eingebettet ist.

Die kolorierte Lithographie ist um 1870 entstanden und hatte einen viersprachige Legende. FOTO: Clemens-Sels-Museum

Albrecht Dürers Blatt aus "Die kleine Holzschnitt-Passion" (1509-1511) mit der "Auferstehung Christi" hingegen unterscheidet sich nicht nur in der Landschaftsdarstellung. "Mit dem Lattenzaun im Hintergrund, dem knorrigen Baum – das ist Nürnberg zu Dürers Zeit", sagt Husmeier-Schirlitz amüsiert. Und ganz ernst: "Dürer sieht Christus als Mensch, er stellt ihn fest auf den Boden, drapiert das Tuch so, dass der Blick auf die Schnittverletzung im Bauch gelenkt wird."

Der Christus (um 1510) von Albrecht Dürer steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden. FOTO: Clemens-Sels-Museum

Der Strahlenkranz um sein Haupt finde ein Pendant in der aufgehenden Sonne: "Die Darstellung ist sehr substanziell und weist vor allem auf den Aspekt des Neuanfangs." Glorifiziert und fast in einer "Supermann"-Pose fliegt Christus auf dem Blatt eines unbekannten Künstlers um 1870 in den Himmel hinauf, hat den Engel, der erst im 18. Jahrhundert als gängige Figur in die Darstellungen eingeflossen ist, an seiner Seite. Und auf einer Farblithografie von James Ensor von 1921 schießt der Heilige dagegen förmlich in den Himmel. Auch Ensor umgibt Christus mit anderen Figuren, allerdings stieben sie entsetzt zur Seite.

Eine Mischung aus Angst und Faszination spiegelt auch das Gesicht einer zuschauenden Frau im Ölbild des naiven Künstlers Ondrej Steberl von 1971 wider.

Quelle: NGZ
 
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