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Neuss
Aus dem Scheitern lernen

Neuss: Aus dem Scheitern lernen
Sie schilderten ihre Erfahrungen auf der Bühne (v.l.): Christian Paul Stobbe, Annett Reimers und Peter Wiedeking. FOTO: ati
Neuss. Bei der ersten sogenannten Fuckup-Night in Neuss schilderten Gründer, wie sie mit ihrem Start-up gescheitert sind - und weshalb sie daraus gestärkt hervorgegangen sind. Rund 200 Besucher schauten im Gare du Neuss vorbei. Von Vera Straub-Roeben

In der Start-up-Szene gehören Fehlschläge zur Normalität. Nahezu 75 Prozent aller deutschen Gründer halten nicht länger durch als drei Jahre. "Gründe dafür gibt es viele - und die gilt es zu erzählen, um andere davor zu bewahren, dieselben Fehler zu machen", erklärt Martin Kretschmer, der mit seiner Düsseldorfer Agentur Blanko jetzt gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung des Rhein-Kreises Neuss die erste sogenannte Fuckup-Night im Gare du Neuss veranstaltete. "Scheitern ist ein wichtiger Bestandteil, mit dem man am Ende Erfolg generieren kann. Weil es Teil des Innovationsprozesses ist."

Bei den Fuckup-Nights berichten Gründer professionell und mit Humor über ihr Scheitern. Zum einen, damit anderen Gründern nicht diegleichen Fehler passieren. Zum anderen, damit die Gesellschaft das Image einer gescheiterten Gründerpersönlichkeit als "Versager" überdenkt. Rund 200 Besucher verfolgten also gespannt, wie drei Gründer über die hohe Kunst des Scheiterns und die noch höhere Kunst, gestärkt daraus hervorzugehen, sprachen.

Den Anfang machte Christian Paul Stobbe aus Neuss. Er gründete vor zehn Jahren mit seinem Kumpel Marcus Noack das Transferportal für Amateurfußballer namens trafema.de - und damit den "Fuckup meines Lebens". Inzwischen weiß er aber sein Scheitern mit Humor zu nehmen: "Nichts gegen Männer mit diesem Namen, aber es war ,der Kevin der Internetportale'", gibt er unumwunden zu. Was zunächst nach einer erfolgreichen Idee aussah, mündete in der Insolvenz, erst Anfang dieses Jahres, zehn Jahre nach der Gründung also, konnte das Verfahren abgeschlossen werden. "Meine wichtigste Errungenschaft aus dieser Zeit: ein Bullshit-Detektor", so Stobbe. "Die wichtigsten Lektionen: Achtet darauf, wer euch berät. Familie und Freunde eignen sich dafür nicht. Schaut euch die Investoren genau an, und behaltet die Kontrolle im Unternehmen und über die Kosten. Arbeitet nur mit Profis und verliert nicht den Fokus." Heute arbeitet er als Managing Partner & Founder, aktuell befindet sich "NAFA - Not another Fucking Agency" in der Gründung.

Dann betrat Annett Reimers die Bühne. "Sie hätte eigentlich Judith Williams werden sollen", kündigte Kretschmer sie an. Doch es kam anders, denn sie hat sich nach ihrem Erfolg mit Gesundheitsprodukten im Teleshopping mit einer Bestellung von selbst designtem Magnetschmuck übernommen. "Ich habe viel daraus gelernt und viele Erfahrungen sammeln müssen", sagt sie. "Vor einigen Jahren dann habe ich meine Erfahrungen mit meiner Leidenschaft verbunden und berate seitdem Hotels." Sie rät Gründern: "Man sollte immer einen Plan B haben." - "Gescheitert und trotzdem glücklich" ist Peter Wiedeking, den viele aus "Die Höhle der Löwen kennen", wo er vergangene Woche die App "Too good to go" gepitcht hat. Doch darum ging es bei der Fuck-up-Night nicht. Ihm und seiner Frau Susanna schwebte schon lange eine Geschäftsidee vor: regionale und Bio-Lebensmittel nach Hause liefern. 2013 machten sie ernst und gründeten die "Abendtüte". Aufgegeben haben sie es nur, weil die Philosophie eine - nötige - Expansion nicht vorsah. Als Niederlage sieht Wiedeking das aber nicht. "Hätten wir es nicht versucht, wäre es viel schlimmer."

Quelle: NGZ
 
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