| 00.00 Uhr

Serie Rätsel Der Stadt (11)
Bahndamm ohne Zug und Gleise

Neuss. Wer auf dem Strategischen Bahndamm, der Helpenstein mit Rommerskirchen verbindet, Gleise sucht, der wird enttäuscht. Warum wurde er dennoch gebaut? Von Ludger Baten

Helpenstein Dieser Bahndamm ist gefahrlos zu betreten. Kein Zug kann nahen, denn die Gleise fehlen. Allenfalls Wanderer, Reiter oder Radler, die über gute Steuerkünste verfügen, zeigen sich. Über elf Kilometer bahnt sich der verwunschene Pfad seinen Weg durch die niederrheinische Landschaft, gesäumt von Bäumen, Sträuchern und Pflanzen, die immer wieder den Blick auf die am Rande liegenden Ortschaften frei geben. Dieser Weg ist nicht perfekt, er wirkt eher geheimnisvoll - als sei er von der Zeit und den Menschen vergessen worden.

Und so ist es auch. Der gut erhaltene Abschnitt des so genannten Strategischen Bahndamms zwischen Helpenstein im Neusser Südwesten und dem Bahnhof in Rommerskirchen-Eckum ist der heute noch sicht- und begehbare Teil einer kühnen Infrastrukturplanung. Die Idee wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts geboren: eine Schienenverbindung zwischen dem Ruhrgebiet sowie dem Saarland und Lothringen.

Mit dem Bau der Eisenbahnlinie wurde 1904 begonnen. Nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Verlierer Deutschland verhinderte Frankreich die Fertigstellung. Die Befürchtung der Franzosen: die Eisenbahnlinie hätte auch für den raschen Aufmarsch deutscher Truppen gegen Frankreich genutzt werden können.

So blieb die Bahntrasse unvollendet, aber gut erhaltene Reste sind auch hierzulande zu entdecken. Vor allem der Abschnitt zwischen Helpenstein und Eckum fasziniert, teils als Damm, teils als Trog, aber immer schnurgerade und auch angenehm eben. Durchaus sehenswert sind darüber hinaus die Brückenbauwerke unterwegs.

Treue Begleiter auf dem Weg sind sieben Kunstwerke des aus Helpenstein stammenden Künstlers Ulrich Rückriem, der längst Weltruf genießt. Seine Arbeit "Sieben Scheiben" machen den Abschnitt zum "Kunstweg", ein Projekt der dezentralen Landesgartenschau Euroga 2002plus.

Wer nahe dem Museum Insel Hombroich die Erftbrücke nach Helpenstein quert, der steht am Aufgang zum Bahndamm direkt vor einer mächtigen Granit-Skulptur aus der Werkstatt von Ulrich Rückriem, die an einen wehrhaften Wächter erinnert. Dieses erste von sieben Werken Rückriems kann auch wie ein Ausrufezeichen hinter der Aufforderung "Hereinspaziert!" gedeutet werden.

Was bleibt? Der mehr als 100 Jahre alte Bahndamm ist das Ergebnis einer Vision, die aber nie realisiert und der Bahndamm nie als Schienentrasse genutzt wurde - aber er ist ein Wanderweg geblieben. Er ist einen Ausflug am langen Wochenende mit Brückentag wert.

Quelle: NGZ
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie Rätsel Der Stadt (11): Bahndamm ohne Zug und Gleise


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.