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Filialen in Neuss
Banken setzen auf Selbstbedienung

Neuss. Die VR-Bank-Filiale in Uedesheim macht dicht, fusioniert dafür mit dem personallosen Selbstbedienungs-Standort der Sparkasse. Die CDU ärgert das. Doch dieses Modell könnte in Neuss vermutlich eins für die Zukunft sein. Von Simon Janssen

Wer in Uedesheim eine persönliche Bank-Beratung in Anspruch nehmen will, muss sich bald wohl oder übel ins Auto setzen. Denn wie unsere Redaktion auf Nachfrage erfuhr, macht die Filiale der VR-Bank eG an der Rheinfährstraße dicht. Um zum 1. Januar kommenden Jahres mit dem Selbstbedienungs-Standort der Sparkasse Am Kiwittenberg 1 einen gemeinsamen Geldautomaten anzubieten. Die Sparkassenfiliale war erst vor einigen Monaten zu einem SB-Point umgewandelt worden - und jetzt bietet auch die VR-Bank dort keine persönlichen Beratungen mehr an.

In einer gemeinsamen Erklärung der Kreditinstitute heißt es, dass aufgrund von Bankgeschäften per PC, Smartphone und Co. immer weniger Kunden die Filialen aufsuchen. Diese Entwicklung spürten auch die Sparkasse Neuss und die VR Bank an ihren Standorten im Rhein-Kreis Neuss. "Unsere beiden Kreditinstitute suchen daher nach neuen und vielleicht auch ungewöhnlichen Lösungen, wie wir für unsere Kunden den gewohnten Service erhalten können", sagt Tanja Engwicht, Bereichsleiterin der VR-Bank.

Doch diese "ungewöhnliche Lösung" könnte für Neuss ein Modell der Zukunft sein. Zumindest schließt Raimund Franzen, Kommunikationsleiter der Sparkasse, weitere Kooperationen für die Zukunft nicht aus. "Momentan ist das aber Kaffeesatzleserei. Das muss von Standort zu Standort individuell besprochen werden."

Bewährt habe sich das neue Uedesheimer Modell aber bereits im Dormagener Stadtteil Stürzelberg. Dort betreiben beide Häuser einen gemeinsamen Standort im neu umgebauten Selbstbedienungs-Center Am Weißen Stein 1. "Das neue Konzept wird von den Kunden angenommen", sagt Stephan Meiser, Unternehmenssprecher der Sparkasse Neuss. Die Kooperation verbessere die Wirtschaftlichkeit der SB-Standorte für beide Häuser. Dies habe Stürzelberg "eindrucksvoll bewiesen".

Stefan Crefeld, CDU-Stadtverordneter für Uedesheim, kann diesen Optimismus nicht ansatzweise teilen. Dass in Uedesheim in Zukunft keine persönliche Bank-Beratung mehr angeboten werden soll, ist für ihn absolut unverständlich. "Diese Nachricht war für mich und viele Uedesheimer sehr überraschend. Ich kenne zahlreiche Kunden, die wegen der Umwandlung der Sparkassen-Filiale zur VR-Bank gewechselt sind. Und jetzt wird es dort ebenfalls keine persönliche Beratung mehr geben", sagt der Stadtverordnete. Gerade für ältere Menschen, die nicht mobil sind, sei dies ein großes Ärgernis. Darum habe Crefeld nicht nur das Gespräch mit den Kreditinstituten, sondern auch mit der Verwaltung gesucht. "Es heißt immer, dass die Infrastruktur der Nebenzentren gestärkt werden muss. Diese Entwicklung der Banken passt aber nicht dazu", sagt Crefeld, der "nicht kampflos" aufgeben möchte.

Für Rainer Mellis, Vorstandssprecher der Volksbank Düsseldorf Neuss eG, ist das Modell der VR Bank und der Sparkasse aktuell kein Thema. "Natürlich schauen wir in einer Kreisgemeinschaft, was die Kollegen machen", so Mellis. Aber im Endeffekt stehe man mit anderen Banken im Wettbewerb. "Da ist jeder selbstständig für sich unterwegs", so der Vorstandssprecher, der angibt davon zu profitieren, wenn andere Kreditinstitute ihre Filialen in Selbstbedienungsstandorte umwandeln. "Da merken wir schon einen gewissen Zulauf", sagt Mellis. Umwandlungen dieser Art seien für die Volksbank aktuell zudem kein Thema. "Wir werden kein Personal aus den Filialen abziehen", sagt der Vorstandssprecher.

Quelle: NGZ
 
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