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Neuss
Begnadeter Kopist berühmter Fresken

Neuss: Begnadeter Kopist berühmter Fresken
Grundlage für Ramboux' Aquarell ist ein Fresko von Piero della Francesca : "Sieg Kaiser Konstantins im Zeichen des Kreuzes" (um 1452-1466) in Arezzo. FOTO: H. Kolberg
Neuss. Im Clemens-Sels-Museum spürt die Ausstellung "Italien so nah - Johann Anton Ramboux" einem Maler nach, dessen Kopien großer italienischer Malerei zum Lehrmaterial ganzer Künstlergenerationen wurde. Von Helga Bittner

Kaum ein Bild in dieser Ausstellung kommt in der Beschreibung ohne den Zusatz "nach ..." aus. Normalerweise kein Zeichen von großer selbstständiger Malkunst, sondern eher Hinweis auf Inspirationen durch einen anderen. Nur gilt das nicht für Johann Anton Ramboux (1790-1866). Der in Trier geborene Künstler, der mit dem Umzug nach Köln 1843 zum Wahl-Rheinländer wurde, war - ja, das stimmt - ein Kopist. Vor allem aber ein Bewahrer altmeisterlicher Freskenmalerei.

Mehrfach ist der Maler, der sich den Nazarenern (Vertreter einer romantisch-religiösen Kunst) zugehörig fühlte, nach Italien gereist, hat dort unendlich viele Fresken, aber auch architektonische Besonderheiten "abgemalt". Rund 2000 Skizzen, so sagt Kunsthistoriker Ulf Sölter, sind von Ramboux überliefert - und eine fast geschlossene Sammlung, die unter dem Begriff "Museum Ramboux" in der Kunstgeschichte verankert ist und 1840 der Stadt Düsseldorf als Stiftung überlassen wurde. Heute gehört sie dem Museum Kunstpalast, umfasst von den ursprünglichen 325 Blättern noch 298, von denen wiederum rund 100 erstmals wieder in einer Ausstellung gezeigt werden. Im Neusser Clemens-Sels-Museum, das selbst drei Ramboux' in seiner Sammlung hat.

Die Vogelpredigt des Franz von Assisi ist die Kopie eines Freskos von Giotto. FOTO: Horst Kolberg

"Italien so nah" ist die Schau betitel, die der stellvertretende Museumschef Ulf Sölter kuratiert hat. Sie zeigt einen Künstler, der einerseits akribisch malte, was er sah, andererseits sich auch die Freiheit herausnahm, Originale in der Wiedergabe zu verändern. Beispielsweise, indem er eine Personengruppe mal durch einen Brunnen ersetzte oder ein Blatt in der oberen Hälfte ganz leer ließ, weil ihn der Altar über der Szene nicht interessierte.

Naturgemäß sind es vor allem religiöse Bilder, die Ramboux faszinierten. Das Besondere aus heutiger Sicht ist, dass er Bilder festhielt, die heute nicht mehr existieren. Zu seiner Zeit waren seine Aquarelle für ganze Künstlergenerationen im Sinne des Wortes Vor-Bild für eine subjektive Wiedergabe oder Interpretation alter Malerei.

Mit fotografischer Genauigkeit hat sich Ramboux in Bilddetails vertieft - bis hin zu kleinen Versatzstücken im Stein eines Mausoleums. Was seine Bilder jedoch stärker als jede heutige Fotografie macht, ist die Genauigkeit der Farbe. "Er hat sich Farbnotizen gemacht, oft mit einem Zahlensystem auf seinen Skizzen vermerkt, so dass sie manches Mal wie Vorlagen für ,Malen nach Zahlen' wirken", erklärt Sölter schmunzelnd. Auf anderen Skizzen hat er direkt Farbbeispiele aufgetragen, so dass er die Aquarelle in seinem Atelier exakt und originalgetreu malen konnte. So wurden seine Bilder zu allen Zeiten perfektes Anschauungsmaterial für Künstler.

Rund 30 Städte und kleine Orte hat Ramboux auf seinen Reisen durch Italien besucht. Die Schau konzentriert sich auf 13 und leitet den Besucher chronologisch von Ravenna über Venedig, Orvieto, Assisi natürlich und kleineren Orten wie Subiaco nach Rom und in den Vatikan. Dort ist es natürlich Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle, den Ramboux kopiert (zumindest in Ausschnitten).

Wobei es ihm dort natürlich nicht möglich war, was er andernorts machen konnte: Er legte Ölpapier auf Fresken und pauste die Linien des Gemäldes durch. Fast immer entschied er sich für das Aquarell in der Endfassung - wohl, weil er mit dieser Technik die Farben der Vorbilder am besten wiedergeben konnte.

Quelle: NGZ
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