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Neuss
Bei Sels im Hafen sprudelt das Rapsöl

Neuss. Die 125 Jahre alte Ölmühle Sels hat sich in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert und behauptet sich im weltweiten Markt. Von Andreas Gruhn

Julian Sels kann sich die Bilder immer wieder anschauen. Die spektakulären Motive, wie der Kran die neuen Maschinen vom Schiff wuchtet. Und dann passgenau an die richtige Stelle auf dem Fabrikgelände einfügt wie ein Puzzleteilchen in die richtige Lücke. Auf einem Bildschirm im Besprechungsraum der Ölmühle Sels laufen diese Bilder in Endlosschleife. Darunter steht eine Büste des Urgroßvaters Otto Sels. Früher und heute - so nah beieinander. Damals wie heute im Neusser Hafen an dem Standort, der damals noch zur Ortschaft Heerdt gehörte, wird Rapsöl gemahlen. Und doch liegen Welten dazwischen.

Das Unternehmen O. & L. Sels ist ein Hochleistungsmittelständler, der es geschafft hat, sich im weltweiten Markt der Ölmultis zu behaupten. Der Rapsöl-Konzerne wohlgemerkt. "Der Markt ist in der Dominanz der amerikanischen Konzerne, und dann gibt's ein paar verrückte Familien-Unternehmen", sagt Julian Sels (41). Er führt die Ölmühle in der vierten Generation.

In den vergangenen acht Jahren hat das Unternehmen seine Verarbeitungskapazität für Rapssaat auf fast 900 000 Tonnen im Jahr gesteigert. Sels wäre in der Lage, am Neusser Standort etwa 15 Prozent der gesamten deutschen Rapsernte zu verarbeiten. Dafür hat die Familie in den vergangenen Jahren im Hafen aber auch ordentlich investiert. Für mehr als 30 Millionen Euro wurde ein neuer Toaster-Trockner-Kühler, eine neue Extraktionsanlage, eine neue Presserei an- und immer wieder eine Steigerung der Kapazität geschafft. Und nicht zuletzt hat man auch mit viel Geld und neuer Technik das Geruchsproblem, das nach dem Bau der neuen Kühler-Anlage entstanden war, in den Griff bekommen. Alles im Neusser Hafen. "Dieser Standort ist für uns ganz wichtig, denn die Anlieferung der Rapssaat erfolgt überwiegend zu Wasser", sagt Julian Sels. Gäbe es den Rhein und den Hafen nicht und müsste alles per Lkw angeliefert werden, würde das fünf an- und abfahrende Lastwagen in der Stunde verursachen.

In den erst wenige Jahre alten Produktionsanlagen werden die angelieferte Rapssaat oder der im Silo gelagerte Rohstoff als erstes zu Flocken gewalzt. Diese werden dann in der Extraktion bei etwa 110 Grad Wärme ausgepresst. Das Rapsöl wird herausgeholt. Weil aber im Rückstand, dem Presskuchen, anschließend noch immer Öl enthalten ist, wird dies herausgewaschen. Im Toaster-Trockner und Kühler wird der Rückstand, der vollständig extrahierte Presskuchen, für die Futtermittelindustrie aufbereitet. Das gewonnene Rohöl wird weiter verarbeitet zum Speiseöl, es wird raffiniert. Und genau dazu plant Sels in den kommenden Jahren in mehreren Schritten den Bau einer Raffination auf der Hafenmole 3. Die dort bestehende Anlage, in der Biokraftstoff aus dem Rapsöl produziert wurde, hat Sels vor vier Jahren außer Betrieb genommen. "Auf diesem Markt herrscht ein Kampf, den man als Familien-Unternehmen so nicht gewinnen kann", sagt Sels. Deshalb beruht die Strategie der vergangenen und künftigen Jahre darauf, die Kapazität zu erweitern und die Technik zu verfeinern, um im harten Wettbewerb zu bestehen.

Das fertig raffinierte Öl wird vom Neusser Standort aus in die nur wenige hundert Meter entfernt liegende Abfüllanlage in Düsseldorf transportiert. In dem dortigen Tochterunternehmen Sels Oel und Fett GmbH werden die Gebinde für Großkunden in der Lebensmittelindustrie, aber auch kleine PET-Flaschen für die Metro, Rewe, Edeka und Handelsmarken abgefüllt - vom Neusser Hafen in die Fritteusen und Bratpfannen dieser Welt. In dieser gesamten Produktionskette sind derzeit an beiden Standorten 99 Mitarbeiter beschäftigt. Sie produzierten im Jahr 2012 einen Umsatz von rund 440 Millionen Euro.

Quelle: NGZ
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