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Neuss
Belgischer Botschafter betont Gemeinsamkeiten

Neuss. Charmant, unterhaltsam und eloquent - Ghislain Jean Maurice D'hoop, Botschafter des Königreichs Belgien, war ein Ehrengast, wie ihn sich ein Gastgeber wohl nur wünschen kann. Als Belgier fühle er sich am linken Rhein heimisch, versicherte der Diplomat, der von Ehefrau und Tochter begleitet wurde, seinen Tischnachbarn im Dorint Kongresshotel Neuss beim Burgundermahl in fließendem Deutsch. Doch versteht sich der 56-Jährige nicht nur auf Komplimente: "Belgien und das Rheinland liegen zusammen mit den Niederlanden, Luxemburg und Nord-Frankreich mitten im historischen Europa und bilden auch heute noch den Pulsschlag des europäischen Einheitsgedanken", sagte er in seinem Festvortrag, in dem er die gemeinsame verbindende Historie dieser Region darlegte und mit der Hoffnung schloss, "dass wir aus der Geschichte lernen, dass wir unsere Zukunft gemeinsam gestalten, in Gemeinschaft und Solidarität, im Wissen, dass Zukunft Herkunft braucht, dass aber Herkunft nicht alles bestimmen kann, sondern nur ein Element der Vielfalt ist". Von Susanne Niemöhlmann

Traditionsgemäß am Vorabend von Fronleichnam hatte der Verein "Forum Archiv und Geschichte" zum Burgundermahl geladen - "in Erinnerung an die Befreiung der Stadt von der Belagerung durch Karl den Kühnen von Burgund durch Kaiser Friedrich III. und an die europäische Dimension der 1475 in Neuss eingeleiteten Entwicklung". Ghislain D'hoop, der sich auch in das Goldene Buch der Stadt eintrug, findet sich in einer beeindruckenden Reihe bisheriger Ehrengäste wieder, zu der wiederholt Botschafter und im vergangenen Jahr Karl von Habsburg-Lothringen, Chef des Hauses Habsburg, gehörten.

Welche Beziehungen zwischen Neuss, Burgund und Belgien bestehen, hatte Vereinsvorsitzender Martin Flecken deutlich gemacht: Nach dem Tod Karls des Kühnen kamen die burgundischen Niederlande, die das heutige Staatsgebiet Belgiens umfassten, an das Haus Habsburg. Doch auch manche Neusser Familie hat belgische Wurzeln wie Thywissen, van Endert, Le Hanne oder Surlemont. Eine weitere, jedoch unrühmliche, Verbindung zwischen Neuss und Belgien hatte Stadtarchivdirektor Jens Metzdorf unlängst öffentlich gemacht: die Beteiligung des Neusser Landsturms im Ersten Weltkrieg an der Zerstörung der belgischen Stadt Löwen.

Beim Anruf von Christoph Heusgen, Berater von Bundeskanzlerin Merkel und gebürtiger Neusser, habe er zunächst ein diplomatisches Problem befürchtet, erzählte Ghislain D'hoop. Stattdessen überbrachte Heusgen die Einladung zum Burgundermahl, die der Botschafter umgehend annahm. In seinem Festvortrag strich er Gemeinsamkeiten zwischen Neuss und Belgien heraus. Beide hätten beide unter dem Machtstreben Karls des Kühnen ebenso wie Jahrhunderte später unter der Napoleonischen Besatzung gelitten. Parallel seien der wirtschaftliche Aufschwung infolge der ersten Industrialisierung sowie der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg verlaufen.

Quelle: NGZ
 
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