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Neuss
Lebensretterin engagiert sich für kleinen Bennett

Bennett leidet an Krebs: Hilfsaktion in Dormagen
Sina Hünervogt aus Neuss hat mit einer Stammzellenspende einen 23-jährigen Australier gerettet. Jetzt engagiert sie sich für den zweijährigen Bennett aus Dormagen. FOTO: DKMS
Neuss. Vor sechs Jahren spendete Sina Hünervogt Stammzellen für einen 23-jährigen Australier. Inzwischen weiß sie, dass er seine Leukämie überwunden hat und kennt seinen Namen. Jetzt engagiert sie sich für den zweijährigen Bennett in Dormagen. Von Christoph Kleinau

Im Frühling 2009 spendete die damals 30-jährige Sina Hünervogt Stammzellen für einen 23-jährigen Studenten aus Australien und rettete damit sein Leben. Damit ist sie eine von 66 Neussern, die so einem Leukämie-Kranken helfen konnten – bei 7434 erfassten potenziellen Knochenmarkspendern in der Stadt. Heute engagiert sich Hünervogt für den zweijährigen Bennett aus Dormagen, der ebenfalls an Leukämie erkrankt ist. Für ihn wird am Sonntag, 12. Juli, eine Typisierungsaktion in der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Dormagen organisiert. Dort gibt es schon 2377 registrierte Spender, von denen 25 auch tatsächlich spenden durften.

Hünervogt selbst hatte ihr Schlüsselerlebnis zwei Jahre vor der eigenen Stammzellenspende. Ein guter Freund, so berichtet sie, rettete mit einer solchen Spende einem jungen Familienvater das Leben. "Das hat einen solchen Eindruck bei mir hinterlassen, dass ich mich auch bei der DKMS typisieren ließ", erinnert sich Sina Hünervogt an ihre erste Berührung mit der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

FOTO: on

Anders als andere Spender, die in dieser Datei gelistet sind, musste die Neusserin, die als Justitiarin bei der Düsseldorfer Stadtverwaltung arbeitet, nicht lange auf den "Ernstfall" warten. Nur wenige Monate später wurde sie davon benachrichtigt, dass sie als Spenderin für einen Patienten infrage kommt. "Ich war sehr aufgeregt und auch ein wenig geschockt, weil ich überhaupt nicht wusste, was auf mich zukommt", erinnert sie sich. In diese Unsicherheit mischte sich auch ein echtes Glücksgefühl. "Weil ich ich das als eine echte Chance begriff. Wer hat schon die Möglichkeit, einem Menschen das Leben zu retten?"

Zehn Fakten über Leukämie FOTO: DAK/Scholz

Auf die Spende wurde sie gut vorbereitet. Nach Aufklärungsgesprächen mit und einer Voruntersuchung bekam sie ein Medikament, das unter die Haut gespritzt werden musste. Dieser körpereigene Stoff, der vom Körper auch bei fieberhaften Infekten produziert wird, stimuliert die Produktion der Stammzellen und bewirkt, dass sich solche vermehrt im fließenden Blut befinden. Diese können dann aus dem Blut gesammelt werden. Dazu reiste die Neusserin mit ihrem Freund in eine Klinik nach Hameln, wo sie fünf Stunden an eine Maschine angeschlossen war, die einen Teil der Stammzellen aus ihrem Blut filterte.

Da es sich bei "ihrem" Patienten um einen großen schweren Mann handelte, wurde eine zweite Spende nötig. "Das passiert nur, wenn ein großer starker Mann Hilfe von einer kleinen leichten Frau benötigt", sagt die Neusserin mit einem Lächeln. Nach der Spende erfuhr sie, dass ihre Stammzellen für einen 23-jährigen Australier bestimmt waren, zwei Jahre später auch seinen Namen – und dass es ihm gut geht. Ein Treffen mit ihrem Blutsbruder, wie sie ihn nennt, steht noch aus.

 
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