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Neuss
Berauschende Streicher- und Bläsermusik

Neuss. Schumann Quartett hat beim Finale der Zeughauskonzertsaison gleich zwei hochkarätige Werke im Gepäck. Von Hansgeorg Marzinkowski

Einmal mehr zeigte sich beim Finale der Zeughauskonzertsaison, dass Neuss mit der ehemaligen Jesuitenkirche über einen wirklich guten Konzertsaal verfügt. Während auf der Freitreppe vor dem Zeughaus rund 200 Abiturienten lautstark ihre Zulassung feierten, wurden die mehr als doppelt so vielen Zuhörer im denkmalgeschützten Gebäude in keinster Weise gestört. Und das war gut so, denn zum Finale war das Schumann Quartett eingeladen, ein junges Streichquartett, das dabei ist, die Welt zu erobern.

In diesem Herbst sind sie erstmals Residenzensemble im Lincoln-Center in New York. Im Zeughaus waren sie auch zum ersten Mal und hatten gleich zwei hochkarätige Werke im Gepäck. Nicht etwa von Robert Schumann, denn der Quartettname ergibt sich aus dem Familiennamen. Gleich drei Brüder sind unter diesem Namen in Dormagen aufgewachsen. Erik und Ken spielen Violine, Mark Violoncello, sie gründeten das Quartett 2007 in Köln, seit 2012 spielt die Estin Liisa Randalu (Viola) mit.

Das "Streichquartett Es-Dur (op. 51)" von Antonín Dvorák ist eines der ersten, in denen der tschechische Komponist klassische Formen mit böhmischer und mährischer Volksmusik verbindet. Der folkloristische, aber rhythmisch schwer zu spielende erste Satz wird abgelöst von einer "Dumka", einem schwermütigen Volkslied, das aber ein zweiter Teil im "Vivace" freundlich aufhellt. Eine wunderschöne Romanze ist das "Andante", ein Wiegenlied im 6/8-Takt, und in der verhalten und sauber gespielten Weise des Quartetts verspätete Weihnachtsmusik.

Der chromatische Lauf der Bratsche am Ende war in hohem Maße transparent, Liisa Randalu hat ein wunderbares Instrument. Das Finale spielte das Quartett mit atemberaubender technischer Souveränität als ausgelassenen Spaß. Vor allem das dynamische Spiel war leidenschaftlich und bestens miteinander verwoben. "So richtig entwickelt sich ein Werk nur live, wir wissen vorher nie, was passiert", sagt Erik Schumann.

Die Live-Situation erfährt nach der Pause eine gehörige neue Dimension: Im "Oktett für Streichquartett, Kontrabass, Klarinette, Horn und Fagott F-Dur" hat Franz Schubert eine Art Vorstudie zur großen Sinfonie komponiert. Dabei ist dieses berühmte Oktett auch bei Streichersoli reizvolle orchestrale Kammermusik, vor allem, weil sich das Quartett mit Markus Krusche (Klarinette), Christoph Ess (Horn), Georg Klütsch (Fagott) und Szymon Marciniak (Kontrabass) erstklassige "Friends" zur Seite geholt hatte.

Quelle: NGZ
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