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Neuss
Bezwingender Ton von Violine und Klavier

Neuss. Im bestens besuchten Zeughaus spielten Carolin Widmann (Geige) und Alexander Lonquich (Piano). Von Heide Oehmen

"Ein Herbstkonzert" würde es werden, erklärten Pianist Alexander Lonquich und seine Violinpartnerin Carolin Widmann, die - einnehmenden Charme verbreitend - überraschend bei der Konzerteinführung durch Matthias Corvin erschienen. Das Programm des jüngsten Konzertes im bestens besuchten Zeughaus enthielt die Letzte der von Mozart komponierten Sonaten für Violine und Klavier , von Ludwig van Beethoven ebenfalls die Letzte dieser Gattung aus dem Jahre 1812 und die Fantasie für Violine und Klavier, die Franz Schubert 1827, ein Jahr vor seinem frühen Tod, schrieb.

Das Duo Widmann/Lonquich musiziert seit gut zehn Jahren zusammen, ihr übereinstimmender Zugang zur Musik ist geprägt von körperreichem, ungemein bezwingendem Ton, konturenreicher Ausdrucksintensität und hör- wie sichtbarer Freude am Muszieren. Dennoch störte beim Einstand mit Mozart der in den Ecksätzen allzu dominierende, nicht selten die Violine ungebührlich überdeckende Klavierpart. Ein nur halb geöffneter Flügel wäre hilfreich gewesen. Doch der kostbar zelebrierte Mittelsatz (Andante) wog dieses kleine Manko wieder auf.

Franz Schuberts Fantasie, ein knapp halbstündiges Werk, begeistert nicht nur, es überwältigt - im besten Sinne - den Hörer. Bei der Uraufführung, so wurde berichtet, verließen nicht wenige Besucher vorzeitig den Saal. Doch das erübrigte sich im Zeughaus von selbst. Widmann und Lonquich standen nicht nur souverän über den enormen technischen Fallstricken - sie loteten die kompositorische Vielfalt dieses komplexen Werkes, dessen Herzstück ein Variationensatz über das Schubert-Lied "Sei mir gegrüßt" ist, mit bezwingendem Einsatz aus, den großen melodischen Bögen spannungsvoll nachspürend.

"Webern kann in zwei Minuten mehr sagen als andere in zehn": Dieser treffende Ausspruch des US- Komponisten Humphrey Searle war gegenwärtig beim Anhören der jeweils nur wenige Minuten dauernden, dennoch erstaunlich ausdrucksintensiven "Vier Stücke für Violine und Klavier" des bei diesen frühen Miniaturen sich noch fern der Atonalität bewegenden Anton von Webern (1883-1945).

Mit der angesichts des Entstehungsjahres erstaunlich unbeschwert erscheinenden Beethoven-Sonate, mit der der Komponist nach mehr als zehn Jahren noch einmal an seine frühen Werke diese Gattung anknüpfte, beendeten die illustren Gäste einen Duo-Abend von hohen Graden, den das Auditorium mit reichem Applaus bedachte.

Quelle: NGZ
 
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