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Neuss
Biotop in Norf droht auszutrocknen

Neuss: Biotop in Norf droht auszutrocknen
Hans-Jörg Wagner vom Neusser Nabu vor dem noch verbliebenen Wasser im Biotop. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Das Geld für eine Pumpe ist schon da. Umweltschützer und Stadt verhandeln aber seit über einem Jahr über einen Pflegevertrag. Von Susanne Genath

Das Plakat der kleinen "Umweltagenten" der Geschwister-Scholl-Grundschule aus Derikum liegt noch gut lesbar an der Grünfläche zwischen Norfbach und Zedernweg. "Wo ist das Wasser für Frau Frosch?", fragen die Sieben- bis Neunjährigen darauf. Die Grundschüler um Umweltbildnerin Silvia Burckhardt machen sich Sorgen um das zum Teil ausgetrocknete Biotop, das zugleich Laichplatz für Amphibien ist.

Diese Sorge kann ihnen Hans-Jörg Wagner vom Neusser Naturschutzbund (Nabu) zum Teil nehmen. "Im hinteren Bereich, hin zum Norfer Gymnasium, ist noch genug Wasser, in dem die Tiere laichen können", sagt der 45 Jahre alte Maschinenbauer. "Im Herbst müssten wir aber neues Wasser hineinpumpen, sonst wird es knapp."

Das Geld für die erforderliche Elektropumpe hat die UPS-Stiftung auch schon vor über einem Jahr gespendet. Seitdem verhandeln Stadtverwaltung und Nabu aber über einen Pflegevertrag. Denn die Umweltschützer sollen sich im Auftrag der Stadt um die kleine Oase für Tiere und Pflanzen, die zu den sogenannten Trittsteinbiotopen in Neuss gehört, kümmern. Doch das Kleingedruckte bereitet Schwierigkeiten.

"Wir sind nur sieben Leute und alle ehrenamtlich tätig", erklärt Wagner. "Wir können für das Biotop nicht die Verkehrssicherheit übernehmen und ständig schauen, ob auch kein Ast auf die Straße fallen könnte." Ebenso wenig könnten sie die Grünfläche regelmäßig von Müll befreien ("da werden schubkarrenweise Gartenabfälle, aber auch Betonreste hineingekippt") und die Kosten für den Betrieb der Grundwasserpumpe aus eigener Tasche zahlen. Denn die müsse künftig angesichts sinkender Niederschlagsmengen von Frühjahr bis Herbst ununterbrochen laufen. "Die Verdunstungsrate in dem Biotop liegt bei 4000 bis 5000 Liter pro Woche. Schon allein die Pflanzen nehmen sehr viel Wasser auf und geben es an die Luft ab", sagt der Helpensteiner, der im Rhein-Kreis Neuss auch Vögel und Libellen kartiert. Vor gut zwei Jahren hatte der Nabu bereits eine erste Notwässerung des Biotops mit einer mobilen Benzinpumpe vorgenommen.

Die Stadt ist zuversichtlich, den Vertrag mit dem Nabu noch in diesem Jahr unterzeichnen zu können. "Wir haben jetzt eine Lösung gefunden, um die elektrische Pumpe ans Stromnetz anzuschließen", berichtet Stadtsprecher Tobias Spange. Das Biotop sei im Moment zu zwei Dritteln ausgetrocknet, weil erst eine neue Abdichtung eingebaut werden müsse. "Das geht aber erst nach der Brutzeit der Vögel."

Hans-Jörg Wagner freut sich denn auch auf die Betreuung des Biotops, das Heimat unter anderem für Dorngrasmücken, Fischreiher, Erdkröten, Grasfrösche und Hummeln ist. "Es ist das Libellen-reichste Gewässer in Neuss. Wir haben wenig Lebensräume, die nur zeitweise feucht sind", sagt er. Die Brennnesselflächen sollen Wildblumenwiesen weichen.

Quelle: NGZ
 
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