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Neuss
Blick in den Neusser Sternenhimmel

Neuss: Blick in den Neusser Sternenhimmel
FOTO: Marcus_F�hrer/dpa
Neuss. Smartphone-Anwendungen wie die App "Star Walk" versprechen ihren Nutzern einen einfachen Zugang für Beobachtungen am Nachthimmel. Die NGZ hat sich angeschaut, was es über der Stadt zu entdecken gibt. Von Tim Harpers

Horoskope, Fixpunkte für die Orientierung auf offener See und Spielwiese für die Science-Fiction-Autoren unserer Tage - die Sterne und ihre Geheimnisse faszinieren Gelehrte, Geistliche und Laien schon seit tausenden von Jahren. Musste man früher noch auf Sternenkarten zurückgreifen, um sich einen Überblick über den Nachthimmel zu verschaffen, gibt es heute Smartphone-Apps wie "Star Walk", die den Nutzern dabei helfen, im Sternenhimmel mit seinen vielen Milliarden Lichtern eine Ordnung zu erkennen.

Ein Blick in die App verrät, dass sich im Neusser Spätsommer besonders der große Wagen, ein Dreigestirn aus Saturn, Mars und Antares, und die Sternbilder Kassiopeia, Pegasus und Andromeda für spannende Beobachtungen eignen. Mit Hilfe der App lassen sich die Sternbilder auch schnell ausmachen. Was sie nicht verrät, ist, mit welchen Tricks man das Beste aus diesem Wissen herausholt. Dieter von Montfort, Vorsitzender der Astrofreunde Neuss, hat Tipps für angehende Sterngucker: "Entscheidend für gute Beobachtungen ist immer das Licht", sagt er. "Im städtischen Raum gibt es größere Lichtemissionen als auf dem Land. Deshalb rate ich jedem, der einen guten Blick auf den Sternenhimmel erhaschen will, aus der Stadt herauszufahren." Die beste Zeit, um mit Himmelsbeobachtungen anzufangen, sei in diesen Tagen nach 23 Uhr. "Und für den Anfang reichen auch Ferngläser oder einfache Einsteigerteleskope für tolle Beobachtungen." Diese gebe es bereits ab 200 Euro. Für ein besseres Teleskop könne man aber schon mal zwischen 3000 und 5000 Euro investieren. "Dann hat man aber auch ein Werkzeug, das einen durchs ganze Leben begleitet."

Für Einsteiger besonders gut geeignet ist die Beobachtung des großen Wagens. Ein Blick aufs Smartphone verrät, dass das von Neuss aus im Norden stehende Himmelsgeflecht gar kein eigenständiges Sternbild ist. Es ist Teil des großen Bären und ein sogenannter Asterismus - ein Teilsternbild. Die Legende des großen Bären geht auf eine antike Kriminalgeschichte zurück: Nachdem Zeus die Nymphe Kallisto vergewaltigt hatte, wurde sie schwanger und bekam ein Kind namens Arkas. Hera, die eifersüchtige Gattin des Zeus, verwandelte daraufhin Kallisto in einen Bären, der fortan durch die Wälder Griechenlands streifte. Als Arkas erwachsen wurde und eines Tages auf die Jagd ging, traf er dabei auf seine Mutter in Tiergestalt. Um zu verhindern, dass sein Sohn seine eigene Mutter ermordet, warf Zeus die beiden in den Himmel: Kallisto als großen Bären und Arkas als kleinen Bären.

Ebenfalls am nördlichen Nachthimmel findet sich das Sternbild Kassiopeia, das als großes W am Firmament erscheint. Die griechische Mythologie kennt Kassiopeia als die Frau von Cepheus. Mit diesem hatte sie eine gemeinsame Tochter namens Andromeda. Kassiopeia galt als sehr eitel und hielt sich in ihrem Übermut für schöner als die Töchter des untergeordneten Meeresgottes Nereus. Diese waren darüber so verärgert, dass sie sich in ihrem Zorn an Poseidon wandten, um Kassiopeia für ihren Hochmut zu bestrafen. Poseidon sandte daraufhin ein Seeungeheuer aus, dem Andromeda geopfert werden sollte. Doch bevor es dazu kam, wurde sie in letzter Sekunde von Perseus auf seinem geflügelten Ross Pegasus gerettet und später zu seiner Ehefrau.

Das geflügelte Pferd hat im Übrigen auch eine Entsprechung am Nachthimmel: Im Osten findet sich ein großes Viereck - das Sternbild Pegasus. "Und wenn man von dort aus weiter in Richtung Norden schaut, kann man die Andromeda sehen", sagt von Montfort. Inmitten dieses Sternbildes könne man mit einem Lichtstarken Fernglas einen matten Fleck ausmachen. "Die Andromeda-Galaxie", sagt der Vorsitzende der Astrofreunde. "Die Nachbargalaxie der Milchstraße."

Die wohl außergewöhnlichste Konstellation lässt sich laut von Montfort schon gegen 21 Uhr im Südwesten erkennen. "Das Dreigestirn aus Saturn, Mars und Antares." Mit einem guten Fernglas könne man sogar die Saturnringe sehen.

Quelle: NGZ
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